Forum zur Entschädigung für den Genozid in Namibia am 09.04.2017 um 11:05 und 20:05 im InfoRadio RBB

Am 20.03.2017 fand eine Podiumdiskussion im Zeughaus Kino des Deutschen Historischen Museums statt, zu den Fragen der Entschuldigung und der Entschädigung für den vom deutschen Kaiserreich angeführten Völkermord der Ovaherero und Nama zwischen 1904 und 1908. In Form eines Radio-Forums leitete Harald Asel vom RBB die Diskussion zwischen Ruprecht Polenz (CDU), dem Vertreter der Bundesregierung in den Verhandlungen mit der namibischen Regierung, Israel Kaunatjike, einem seit über 40 Jahren tätigen Herero-Aktivisten, der in Berlin lebt, und drei weißen Deutschen Wissenschaftler*innen die sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzen: Reinhardt Kößler (Soziologe), Larissa Förster (Ethnologin) und Jonas Kreienbaum (Historiker).

Zum ersten Mal traf sich Ruprecht Polenz mit einem angehörigen der betroffenen Gemeinschaften  in Deutschland, nachdem er die Einladungen zur Diskussion während des letzten Besuchs der Herero und Nama in Berlin absagt hatte. Der CDU Politiker verkündete: “Dass die Entschuldigung erfolgen soll ist klar.” Der Konsens brach aber zur Frage der Entschädigung. Israel Kaunatjike machte bekannt, dass die Ovaherero und Nama keine “30 Milliarden” fordern, im Verweis zu der angekündigten Klage der namibischen Regierung. Stattdessen forderte Israel Kaunatjike, wie bereits durch die Resolution des Berliner Kongress der Ovaherero und Nama im Oktober verkündet, direkte Verhandlungen zu einer Landreform. Während der Kolonialzeit in Deutsch Südwest Afrika (1885-1914) konnten deutsche Siedler, Dank eines unfairen Kreditsystems, das Land und das Vieh von den heimischen Gemeinschaften in Besitz nehmen. Da diese die Hauptgründe für den Aufstand der Nama und dann der Ovaherero gegen das deutsche Kaiserreich waren, liegt die Rückgabe dieses Eigentums im Zentrum der Debatte, zumal im heutigen Namibia immer noch Nachfahren von deutschen Siedlern im Besitz dieser Gebiete sind.

Ruprecht Polenz bedauerte, dass die Ergebnisse der Verhandlungen nicht unter dem jetzigen Bundestag abgeliefert werden können. Während der Verhandlungen, die immer noch nur zwischen Namibia und Deutschland stattfinden, haben Vertreter*innen der Ovaherero und Nama in den Vereinigten Staaten im Januar Deutschland vor einem US Gericht verklagt. Eine zweite Gerichtssitzung wurde für den 21. Juni 2017 angekündigt. Solange keine Diskussion zwischen allen Akteur*innen (Bundesregierung, namibische Regierung, Vertreter*innen der Ovaherero und Nama, und Deutsch-Namibier*innen) erfolgt, kann der Prozess der Versöhnung vorraussichtlich nicht vollständig durchgeführt werden.

Die Diskussion wird am Sonntag 09.04.2017 um 11:05 und 20:05 im Inforadio RBB übertragen:
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