Für ein Sinterklaas Fest ohne Rassismus

Wir freuen uns in einer Stadt zu leben, zu arbeiten und/oder zu studieren, die sich selbst erst vor wenigen Jahren ein neues Toleranzedikt gegeben hat, mit hohen und ehrbaren Werten wie Respekt, Toleranz und Solidarität. Diese Stadt spricht sich gleichzeitig gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit aus und es scheint ganz so, als wäre es ein allgemeines Anliegen den vielen Einflüssen anderer Kulturen mit Offenheit zu begegnen und für ein angenehmes Miteinander zu sorgen. So haben vor kurzem die PNN und die MAZ lobend erwähnt, dass in diesem Jahr das traditionelle holländische Sinterklaas Fest wieder stattfinden wird.

Wir begrüßen es natürlich, dass in der Stadt Potsdam interkulturelle Feste gefeiert werden und den hehren Zielen des kulturellen Dialogs Ausdruck verliehen werden soll. Damit die Stadt weiterhin stolz auf ihr tolerantes Auftreten sein kann, wäre es jedoch wünschenswert, dass bei der Umsetzung von Traditionen nicht vergessen wird, dass man diese auch regelmäßig überdenken sollte. Da sich unsere Gesellschaft stetig in Veränderungsprozessen bewegt, bedürfen als statisch, wahr und vor allem geliebt angesehene Gepflogenheiten manchmal eines zweiten oder dritten Blickes, um z.B. als nicht mehr zeitgemäß erkannt werden zu können.

Es ist Ihnen sicherlich bekannt, dass die Zwarten Pieten des Sinterklaas kontroverse Figuren sind, denn es handelt sich dabei um weiße Menschen, die sich schwarz schminken, sich große, rote Lippen ins Gesicht malen und eine gelockte, schwarze Perücke tragen. Die Aufgabe dieser Figuren ist es nicht nur Kinder mit Süßigkeiten zu versorgen, sondern auch das Publikum (in Potsdam wohl zum größten Teil weiß) mit Scherzen zu belustigen. Dieses Szenario – ob beabsichtigt oder nicht – erinnert dabei sehr stark an die Tradition der stereotypen Darstellung und Inszenierung schwarzer Menschen als Jahrmarktsattraktionen, als entmenschlichtes Schmuckwerk bei Hofe und auch an die US-amerikanischen Minstrel Shows. Diese Shows, die sich in den 20er Jahren sehr großer Beliebtheit erfreuten, bedienten sich der rassistischen Praxis des Blackfacing, d.h. weiße Menschen stellten auf entwürdigende und beleidigende Art und Weise Afroamerikaner_innen dar, um ein weißes Publikum zu unterhalten. Genau aus diesen Gründen wurde in Amsterdam per Gerichtsbeschluss festgehalten, dass die Darstellung des Zwarten Piet ebenfalls rassistisch sei.

Wir würden gerne dazu anregen im Sinne des Toleranzedikts, in dem u.a. dazu aufgerufen wird „das Nicht-Tolerierbare klar zu benennen“, darüber nachzudenken, ob Sinterklaas nicht ein weitaus erfreulicheres Fest für ganz Potsdam wäre, wenn dabei keine unbeabsichtigten rassistischen Bilder reproduziert würden.

In den Niederlanden wird aktuell zum Beispiel dazu übergegangen, die Figuren des Swarten Piet nur mit ein paar schwarzen Streifen im Gesicht zu schminken, um auf die mögliche Ankunft des Piet durch den Schornstein zu verweisen. Andere Städte in den Niederlanden werden in diesem Jahr Piet in anderen, bunten Farbtönen oder kariert und gestreift auftreten lassen, um die unschönen Assoziationen zu vermeiden. Auf diese Weise wird es ermöglicht, ein tolerantes Fest für wirklich alle Mitbürgerinnen und -bürger zu ermöglichen und transkulturelle Solidarität und Respekt auch tatsächlich zu leben und nicht nur auf dem Papier zu zelebrieren.

Credits // Authors: Postcolonial Potsdam Team
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