Kommentar zu Artikeln der MAZ

Die Debatte um die Umbenennung des M-Rondells im Schlosspark Sanssouci wurde auch von den Medien aufgegriffen und so erschienen zwischen Anfang März und Anfang April vier Artikel zu dem Thema in der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ).

African Statue, Park Sanssouci

African Statue, Park Sanssouci

Der erste Artikel der MAZ (06.03.2014) weist lediglich darauf hin, dass der Vorstoß des Stadtverordneten Andreas Menzel, das Rondell umzubenennen, abgelehnt worden ist. Äußerungen des Oberbürgermeisters Jann Jakobs, der Menzels Vorstoß als „vollkommen irrelevant“ bezeichnet und die Beurteilung der Schlösserstiftung, dass die Bezeichnung ausschließlich historisch zu sehen sei, begleiten den Artikel. Es besteht offensichtlich kein Verständnis dafür, dass der Begriff für viele Menschen verletzend ist. Dies zu ignorieren oder zu behaupten, heute wisse doch jede_r das es nicht als Beleidigung gemeint sei, zeigt deutlich, dass rassistische Sprache weiterhin als Normalität angenommen und von weißen Stimmen sogar häufig verteidigt wird. Andere Stimmen, die die Umbenennung begrüßen oder die Hintergründe zu Menzels Anliegen werden nicht genannt.

Erst im zweiten Artikel (vom 25.03.2014, immerhin fast drei Wochen nach Erscheinen des ersten Artikels) wird erwähnt, dass Menzel nicht allein die Umbenennung des Rondells gefordert hat, sondern auch die Errichtung einer Gedenktafel, die auf den Sklavenhandel der Vorfahren von Friedrich dem Großen hinweist. Diese Information ist jedoch wichtig, um zu verstehen, dass es bei der Debatte nicht darum geht „einfach nur einen Namen zu ändern“ wie viele Leser_innen zu glauben scheinen, sondern darauf hinzuweisen, welche Bedeutung Worte haben, was für eine Weltsicht sie transportieren können und welche Nachwirkungen die Kolonialgeschichte bis heute hat. Dass dies den meisten Leser_innen nicht bewusst ist, zeigen Kommentare zu den Artikeln: „Und langsam geht einem die sprachfanatische political correctness dermaßen auf den Zünder“ um nur einen zu nennen. Ablehnung und Ärger sind offenbar typische Reaktionen.

Der erste Artikel der MAZ hat deutlich dazu beigetragen, Menzels Anliegen lediglich als „sprachfanatische political correctness“ abzutun, anstatt ernsthaft und fundiert über die Debatte und ihre Hintergründe zu berichten. Ein Versuch dies nachzuholen unternimmt die MAZ im genannten zweiten Artikel sowie in zwei Darauffolgenden (28.03.2014 und 01.04.2014): verschiedene Stimmen, die für eine Umbenennung plädieren oder erklären, wieso Begriffe dieser Art verletzend sein können oder historische Gegebenheiten verharmlosen, werden aufgegriffen. Obwohl nicht alle diese Stimmen eine Umbenennung befürworten, weisen sie auf die Relevanz der Debatte hin, die ernsthaft und fundiert geführt werden müsse und nicht, wie Oberbürgermeister Jakobs das sieht, „vollkommen irrelevant“ sei.

Leider scheint sich die MAZ der Ansicht Jakobs anzuschließen. Obwohl sie sich nach einiger Zeit dazu entschlossen hat, dem einseitigen Artikel über Menzels Anliegen weitere folgen zu lassen, die die Debatte differenzierter betrachten, macht sie diese Bemühung mit dem Abdrucken einer Glosse unter dem zweiten Artikel direkt zunichte. Die Vorschläge der Autorin, welche Namen das Rondell zukünftig tragen könne, zeigen, dass sie den Hintergrund der Debatte nicht ernst nimmt oder gar nicht erst versteht. Selbiges lässt sich vermutlich über die Leser_innen der MAZ sagen, die Kommentare zu den Artikeln verfasst haben und sich in einer Umfrage mit deutlicher Mehrheit gegen die Umbenennung des Rondells ausgesprochen haben. Umso wichtiger erscheint es uns Wege zu finden weiße Dominanzpräsentationen kritisch zu hinterfragen und Debatten dazu stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Credits// Authorinnen: Paula Seemann & Anna von Rath. Photos: Miriam Redzewsky

 

 

 

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