Dokumentation der Mediendebatte um eine mögliche Umbenennung des M-Rondells

Dies ist eine Wiedergabe der MAZ Artikel, die im März und April 2014 veröffentlicht wurden und unter anderem dafür gesorgt haben, dass wir diesen Blog gestartet haben. Die Artikel verwenden und unterstützen die Verwendung rassistischer Sprache. Wir distanzieren uns von der Verwendung dieser Wörter, reproduzieren sie hier aber, um den Umfang der Debatte darzustellen. In unserem Post zur Debatte nehmen wir Stellung – Kommentar zu Artikeln der MAZ

MAZ-Artikel vom 06.03.2014

Debatte um Bezeichnung für Figuren im Schlosspark Sanssouci – Mohrenrondell steht in der Kritik
Das Mohrenrondell im Park Sanssouci wird wohl weiter so heißen. Eine vom Stadtverordneten Andreas Menzel (Grüne) angestoßene Debatte um die Bezeichnung für das Figuren-Rondell im Schlosspark Sanssouci stieß beim Oberbürgermeister und der Schlösserstiftung auf Unverständnis.

Potsdam. Das Mohrenrondell im Park Sanssouci wird wohl weiter so heißen. Der Stadtverordnete Andreas Menzel (Grüne) stieß am Mittwoch auf Unverständnis mit seiner Frage, wie Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) die Verwendung dieser Bezeichnung durch die Schlösserstiftung bewerte. Jakobs nannte Menzels Anliegen „vollkommen irrelevant“. Die Bezeichnung stamme aus friderizianischer Zeit und sei damit historisch: „Ich finde es in Ordnung, wenn sie auch weiter verwendet wird.“
Menzel insistierte, ihn würde in Potsdam als der Stadt des Toleranzedikts „schon interessieren, mit welchen Worten wir Dinge und Plätze benennen“. Man müsse durchaus darüber nachdenken, ob Mohrenrondell noch ein angemessener Name sei. Er verwies auf die bekannte Süßigkeit aus Eiweißschaum, die ja auch nicht mehr Negerkuss, sondern Schokokuss genannt werde. Jakobs entgegnete, die Stadt habe über diese Bezeichnung nicht zu befinden.
Laut Schlösserstiftung ist das Wort „Mohr“ bereits im Althochdeutschen belegt. Zunächst bezog es sich auf die Mauren, seit dem 16. Jahrhundert auf Menschen mit dunkler Hautfarbe überhaupt. Stiftungssprecher Frank Kallensee erklärte, dass der Begriff üblicher Sprachgebrauch war, als Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1685 das Edikt von Potsdam erließ. Das erste Potsdamer Toleranzedikt war ein Niederlassungs- und Schutzangebot an die in Frankreich verfolgten protestantischen Hugenotten.
Die vier Skulpturen des Mohrenrondells sind laut Kallensee seit 1694 in der Brandenburgisch-kurfürstlichen Kunstkammer nachweisbar und vermutlich italienischer Herkunft. Die Originale, die seit 1999 im Schloss Caputh ausgestellt sind, wurden 1992 bis 1997 durch Kopien ersetzt. In der 1775 von Matthias Oesterreich veröffentlichten „Beschreibung und Erklärung der Statuen, welche die Sammlung Sr. Majestät, des Königs von Preußen, ausmachen“, seien sie als „Büste eines Mohren“ beziehungsweise als „Büste einer Mohrin“ bezeichnet.
Die Bezeichnung „Mohrenrondell“ sei deshalb eine ausschließlich historische und werde auch nur in diesem Sinne – für das Mohrenrondell als Kunstwerk – verwendet. Sie widerspreche dem Neuen Potsdamer Toleranzedikt von 2008 genauso wenig wie Heinrich Heines Gedicht „Mohrenkönig“ (1844), Shakespeares „Othello, der Mohr von Venedig“ (1604) oder Schillers bissigem Satz aus seinem „Fiesco“ (1783): „Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen.“ Zudem wies der Stiftungssprecher darauf hin, dass es in Berlin seit 1700 eine Mohrenstraße gibt.
Eine spezielle Namenskonstellation wurde von Jakobs angeführt. Er verwies Menzel an den Golmer Ortsvorsteher und sagte: „Warum fragen sie nicht mal Herrn Mohr, wie er es findet, dass er so heißt?“

Von Volker Oelschläger

Quelle:
http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Mohrenrondell-steht-in-der-Kritik

African Statue, Park Sanssouci

African Statue, Park Sanssouci

MAZ-Artikel vom 25.03.2014:

Kritik an Name für Skulpturen im Park Sanssouci – Diskussion um „Mohrenrondell“ in Potsdam

Vier Skulpturen im Park Sanssouci in Potsdam sorgen für reichlich Diskussionsstoff: Das so genannte „Mohrenrondell“ ist seit 1694 in der Brandenburgisch-Kurfürstlichen Kunstkammer nachweisbar und vermutlich italienischer Herkunft. Ein Stadtverordneter findet aber, dass diese Bezeichnung diskriminierend sei. Soll der Name geändert werden?

Potsdam. Die Debatte um das „Mohrenrondell“ im Park Sanssouci geht in die nächste Runde. Die Bezeichnung der Skulpturen aus der Zeit Friedrichs des Großen soll geändert und per Schautafel auf den Sklavenhandel seiner Vorfahren hingewiesen werden. Das fordert der Stadtverordnete Andreas Menzel. Wie es stattdessen heißen soll, sagt er nicht.
Eine entsprechende Beschlussvorlage will Menzel in die Stadtverordnetenversammlung am 2. April einbringen. Darin soll Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) beauftragt werden, auf die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) als Eigentümerin des Rondells einzuwirken. Begründung: Der Name – er spricht im Antrag stets vom „M-Rondell“ – sei „kolonial-rassistisch geprägt“ und daher nicht nur für Opfer der Sklaverei „diskriminierend“, sondern „auch für heute in Deutschland lebende Schwarze Menschen“. In einer Stadt, die sich zu einem Toleranzedikt bekennt, sollten solche Bezeichnungen öffentlicher Plätze keine Verwendung finden, so Menzel.
Der Volksvertreter, dem die Grünen-Fraktion das Vertrauen entzogen und den sie Mitte März ausgeschlossen hatte, unternimmt nun im Alleingang den zweiten Vorstoß in dieser Sache. Argumentativen Beistand holte er sich bei Iman Attia von der Berliner Alice-Salomon-Hochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Wie die Rassismusforscherin erklärte, „verhöhnt“ der Begriff Mohr die Ausbeutungs-, Diskriminierungs- und Verfolgungserfahrungen von Menschen. Sie rät dazu, „die Debatte um den Umgang mit diesem Erbe ernsthaft und fundiert zu führen“ und empfiehlt, „aufklärende, kritische, distanzierende Hinweise“ anzubringen.
In seinem Kampf um politische Korrektheit bat Menzel auch Magdolna Grasnick, die städtische Beauftragte für Migration und Integration, um Schützenhilfe. Grasnick hält die Kritik des Stadtverordneten am Begriff „Mohrenrondell“ zwar für „durchaus berechtigt“. Sie sei Befürworterin „der sprachlichen Sensibilisierung und der Aufklärung über rassistische Begriffe“ und setze sich gegen „Ausgrenzung durch Sprache“ ein. Aber im Falle der marmornen Skulpturengruppe im Park Sanssouci handele es sich um ein 270 Jahre altes Kunstwerk. Und solange ausschließlich dieses so benannt wird, „sehe ich in der Bezeichnung keinen diskriminierenden Charakter“, so Grasnick.
Auf die ausschließlich historische und nur in diesem Sinne zu verwendende Bezeichnung „Mohrenrondell“ hatte auch SPSG-Sprecher Frank Kallensee verwiesen und weitere Beispiele genannt wie Heines Gedicht „Mohrenkönig“ (1844) oder Shakespeares „Othello, der Mohr von Venedig“ (1604). OB Jakobs hatte Menzels Anliegen bereits in der März-Sitzung des Stadtparlaments als „vollkommen irrelevant“ bezeichnet.

Von Carola Hein

 

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Glosse von MAZ-Autorin Ildiko Röd: „No more Mohrenrondell“

Meine politisch-korrekten Fingerlein weigern sich fast, das Unaussprechliche zu tippen. Aber es muss leider sein! Also: Mohrenrondell. Selbiges befindet sich auf dem Areal der Schlösserstiftung und dankenswerterweise machte der Bald-Ex-Potsdamer-Grüne Andreas Menzel jüngst gegen diese üble rassistische Bezeichnung mobil. Natürlich sinnen auch wir in der MAZ auf Auswege; sonst droht die Stadt ihren Ruf als Toleranzhochburg zu verlieren. Ein neuer Name fürs „Mohrenrondell“ muss her:

1. Rondell mit Migrationshintergrund.
2. Rondell für Mitbürger mit eher dunkler Hautfarbe, aber ohne Dauerkarte fürs Solarium.
3. CDU-Rondell (Schirmherrschaft: Katherina Reiche.)
4. Barack-Obama-Rondell.

Wenn das alles nichts hilft, hilft nur noch eins: Einfach Rondell abreißen lassen! (Am besten von Schwarzarbeitern.)

Quelle:
http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Diskussion-um-Mohrenrondell-in-Potsdam

 

MAZ-Artikel vom 28.03.2014:

Debatte um Preußens Ausbeutungsgeschichte erwünscht – Antidiskriminierungsverein gegen „Mohrenrondell“

Das „Mohrenrondell“ im Park Sanssouci sorgt für reichlich Diskussionsstoff. Ein Stadtverordneter hält die Bezeichnung für „kolonial-rassistisch geprägt“ und hat eine Namensänderung angeregt. Eine Idee, die Verwunderung, aber auch eine große Diskussion ausgelöst hat. Jetzt hat sich auch die Antidiskriminierungsberatung zu Wort gemeldet.

Potsdam. Im Disput um das „Mohrenrondell“ – Skulpturen aus der Zeit Friedrichs II. im Park Sanssouci – hat sich die Antidiskriminierungsberatung Brandenburg zu Wort gemeldet. Der Verein bearbeitet Fälle von rassistischer Diskriminierung und begrüßt laut Katja Schlegel den Vorstoß des Stadtverordneten Andreas Menzel, den Namen des Kunstwerkes zu ändern.
Man müsse sich bewusst mit der Ausbeutungsgeschichte Brandenburg-Preußens auseinandersetzen. Dazu gehöre auch eine Debatte um den Umgang mit Namen und Bezeichnungen, die geeignet sind „Menschen zu verletzten, Geschichte zu banalisieren und Ausgrenzungen neu zu konstruieren“. Laut Susan Arndt, Editorin des Nachschlagewerks „Afrika und die deutsche Sprache“, sei Mohr das älteste deutsche Wort für schwarze Menschen, das auf das griechische „moros“ für töricht, einfältig, dumm oder gottlos zurückgeht.
Eine „ernsthaft und fundiert“ geführte Debatte sei nötig, so Schlegel: „Die vermissen wir und fordern die Beteiligten dazu auf!“

MAZ

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Quelle:
http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Potsdam-Kritik-an-Mohrenrondell
MAZ-Artikel vom 01.04.2014:

Umfrage: MAZ-Leser lehnen Umbenennung ab – Neue Runde im Streit ums Mohrenrondell

Im Streit um die Bezeichnung des Mohrenrondells im Park Sanssouci soll sich Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) am Mittwoch erneut vor den Stadtverordneten erklären. Äußerungen des Oberbürgermeisters zum Thema hatten für Wirbel gesorgt. Eine Rassismusforscherin warf Jakobs „Verhöhnung“ der Thematik vor.

Potsdam. Andreas Menzel, der vor drei Wochen aus der Grünen-Fraktion ausgeschlossen wurde, will in der Fragestunde laut Vorabtext wissen, ob der Oberbürgermeister „bereit“ ist, „die umfassende Information und öffentliche Diskussion über die Hintergründe der Namensgebung des M.-Rondells zu unterstützen?“ Laut Menzel ist diese Bezeichnung verknüpft „mit der Vergangenheit des preußischen Kurfürstenhauses im Sklavenhandel Groß Friedrichsburgs, in dessen Folge Kinder aus Afrika nach Potsdam verschleppt wurden“.
Menzel forderte von Jakobs bereits in der jüngsten Sitzung eine Stellungnahme zur Bezeichnung „Mohrenrondell“, die er selbst in Frage stellt. Jakobs wies das Anliegen mit Verweis auf die Vorgeschichte in friderizianischer Zeit als „irrelevant“ zurück. Für überregionale Empörung sorgten jedoch auch im Stadtverordneten-TV aufgezeichnete Äußerungen des Oberbürgermeisters, der etwa auf den Golmer Ortsvorsteher Ulf Mohr verwies, den man ebenso fragen könne, „wie er es findet, dass er so heißt“. Die Rassismusforscherin Iman Attia warf Jakobs „Verhöhnung“ vor (MAZ berichtete), die Organisation Venrob kritisierte „offen rassistisch konnotierte Bemerkungen“. Menzel, der ohne Fraktion keine eigenen Anträge stellen darf, will heute mit der Anfrage darum werben, dass fünf Stadtverordnete sein Anliegen unterstützen, dass Jakobs bei der Schlösserstiftung auf eine Namensänderung und Informationen etwa mit einer Schautafel dringt. MAZ-Leser haben in der Online-Umfrage bislang mit 55 zu 790 Stimmen gegen die geforderte Umbenennung votiert.
Die Stiftung selbst bereitet nach MAZ-Informationen eine Aufbereitung der historischen Hintergründe für die elektronischen Medien vor. Stiftungssprecher Frank Kallensee, der sich dazu am Mittwoch allerdings nicht äußern wollte, verwies statt dessen auf Publikationen wie das 2012 von der Stiftung herausgegebene Buch „Tod, Glück und Ruhm in Sanssouci“ von Adrian von Butlar, in dem der koloniale Hintergrund erörtert wurde, und auf die Ausstellung „Onder den Oranjen bom“ von 1999, in der Brandenburgs Sklavenhandel Thema war.

Von Volker Oelschläger

Quelle:
http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Potsdam-Zoff-um-Mohrenrondell-geht-weiter

Credit// Photos: Miriam Redzewsky

 

 

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