Botanische Gärten post/kolonial gedacht (Teil 1)

Dies ist ein Gastbeitrag von Naomie Gramlich und Lydia Kray.

Außenansicht des botanischen Gartens in Potsdam, von den Autor*innen fotografiert

Außenansicht des botanischen Gartens in Potsdam, von den Autor*innen fotografiert

Botanische Gärten als koloniale Orte zu verstehen, scheint besonders schwer zu fallen: zu unschuldig, zu prächtig und zu lebendig präsentieren sich ihre pflanzlichen Bewohner*innen, um in Verbindung mit kolonialer Gewalt, weißer Aneignung und hegemonialen Wissenschaftssystemen gebracht zu werden. Sich vor Augen zu führen, aus welchen Ländern, die Pflanzen stammen, und zu welcher Zeit sie nach Europa gekommen sind, verrückt die Brille, die auch wir als leidenschaftliche Besucherinnen* dieser Einrichtungen tragen. Um damit zu beginnen, die verdeckten kolonialen Schichten nachzuzeichnen, haben wir den Kustos des Potsdamer botanischen Gartens, Dr. Michael Burkart getroffen. Er gab uns einen Einblick in seine bisher nicht verschriftlichte Geschichte mit seinen kolonialen Bezügen. Dieser Text geht von diesem Gespräch aus und fragt im Anschluss daran nach den Herkünften, Bewegungen und möglichen Rückgaben der Pflanzen. Wir wollen die aktuelle Debatte um die Restitution von afrikanischen Kulturgütern zum Anlass nehmen, die Fragen um das koloniale Erbe auch für botanische Gärten zu stellen.[1]

Entstehungsgeschichte des Gartens

Der Potsdamer botanische Garten blickt zwar als Institution der Universität auf eine junge Geschichte zurück, ist aber durch seine geografische Lage im Schlosspark Sanssouci mit dessen Kolonialgeschichten verwoben. Entstanden ist er in den 1950er Jahren als Teil der Pädagogischen Hochschule Potsdams während der DDR. Sein Bestand, der heute 10.000 Arten umfasst, stammt aus dem gärtnerischen Bestand des Schlossparks aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Dieser Altbestand wurde nach 1950 durch weitere Pflanzen ergänzt, die aus den kolonialen Sammlungen anderer deutscher botanischer Gärten zusammengetragen wurden. Der informelle Austausch von Saatgut und Stecklingen unter den botanischen Einrichtungen Deutschlands ist bis heute gängige Praxis. Die Bromelien, Epiphyten, Orchideen, Kakteen und die Nutzpflanzen, Kaffee, Maniok und Yams, die heute den Hauptbestandteil der Pflanzen ausmachen, kommen aus tropischen Ländern des Globalen Nordens. Mit der Gründung des Gartens in der DDR öffnete sich ein neues Kapitel der botanischen Migration: nicht nur wurden viele Pflanzen aus dem Potsdamer Altbestand nach Moskau transportiert, im Gegenzug wanderten auch Pflanzen aus sowjetischen Partnerländern wie Kuba nach Brandenburg. Über diese verschlungenen und irrwegigen Pfade der Pflanzen gibt es – soviel in Potsdam bekannt ist – kein Archiv, das über die Provenienzen (Herkünfte) Auskunft gibt. Eine Gartendatenbank gibt es erst seit ca. 20 Jahren – über die Zeit davor schweigt die Datenbank.

Aktuell gibt es einige Projekte im Bereich der Provenienzforschung, die durch genetische Studien herausfinden wollen, aus welchen Sammlungsbeständen einzelne Pflanzen stammen. Oftmals wurde bei der Erstbeschreibung nur ein Beleg in den Herbarien, den Sammlungen konservierter Pflanzen, aufbewahrt und unter der Bezeichnung „only known from the type“ registriert. Die genetische Provenienzforschung will zeigen, ob die Pflanzen z. B. der Potsdamer Einrichtung Abkömmlinge der einzigen Aufsammlung sind, um damit Aufschluss über die Migrationsbewegungen der Pflanze zu geben.

Koloniale Institution

Botanische Gärten können als organische Museen verstanden werden, deren Exponate genauso wie in ethnologischen Museen, seltene, manchmal einzigartige Artefakte aus anderen Ländern zeigen. Nur das sie im Falle des botanischen Gartens eher als Natur- denn als Kulturstätte markiert sind und unter anderem deshalb oft nicht als museale Institution verstanden werden oder sich selbst als solche verstehen. Ganz grundsätzlich sind botanische Gärten die institutionellen Erben wissenschaftlicher Fachrichtungen der Biologie und Botanik, die zur Zeit der Kolonisation entstanden sind. Entdecken, klassifizieren und verpflanzen lassen sich als Instrumente von Kolonisierungsprozessen verstehen. Nicht nur beherbergen botanische Gärten in Europa und Nordamerika tausendfach Arten aus den ehemaligen Kolonien, auch umgekehrt migrierten „verbesserte Versionen“ von Pflanzen, die durch Experimente in den botanischen Gärten entstanden sind, wieder in den Kolonien und bildeten dort oftmals den Beginn von Plantagenwirtschaft. Während durch die globale Ausbreitung des Plantagensystems der Großteil einheimischer Pflanzen ausgerottet wurde, wanderte der gesicherte Restbestand dieses botanischen Artenreichtums in die künstlichen Repräsentations- und Forschungseinrichtungen Europas, die bis heute noch als „reicher Schatz“[3] dieser Ausbeute verstanden werden.

Botanische Gärten dekolonisieren

Die Frage, die wir uns als Medien- und Kulturwissenschaftlerinnen* stellen, ist, inwiefern die koloniale Aufarbeitung des botanischen Gartens mit genetischer Aufschlüsselung und Rückgabe angemessen umgesetzt ist. Wird unter “kolonial” nicht nur die historische Epoche der deutschen Kolonialgeschichte in Afrika, China und im Pazifik von ca. 1880 bis 1919 verstanden, sondern ein koloniales Mindset von Ästhetiken, Architekturen und Wissenschaftsstilen, zeigt sich, dass ein Begriff von der Kolonialität dieser Orte in seiner Komplexität erst noch entwickelt werden muss. Das Wort “kolonial” leitet sich von dem lateinischen “colere” für “Land bebauen” ab und verweist damit bereits sprachlich auf die Vorstellung, dass angeblich kultur- und geschichtslose Gebiete und Menschen zivilisiert und kultiviert werden müssten.

Dass naturwissenschaftliche Orte Ausdruck dieses kolonialen Mindsets sind, zeigen besonders die botanische Gärten in den europäischen Metropolen, die mit dem Anspruch erbaut wurden, die ganze Welt unter einem Dach zu zeigen. So entspricht etwa die Architektur des Berliner botanischen Gartens mit seiner kontinentalen Einteilung, in der die Besucherin mit zwei Schritten von Südamerika nach Afrika wechseln kann, einem imperialen System, sich die ferne Welt in die Metropolen zu holen und dort mittels der botanischen Importe zu repräsentieren. Gerade nach dem “Verlust” der Kolonien durch den Versailler Vertrag lassen sich die botanischen Gärten in Deutschland als Ausdruck einer imperialen Aneignungsgeste verstehen. Dass die Kolonialgeschichte auf imaginativer Ebene fortgeführt wird, manifestiert sich auch architektonisch in den gläsernen Gewächshäusern, dessen Vorläufer die Bauten der Weltausstellungen sind.

Die aktuelle Debatte um Kulturgüter zeigt, dass Restitution einen ethischen Akt meint, neue kulturelle Beziehungen zu knüpfen. Dafür ist die Erarbeitung dessen, was das “koloniale” in den wissenschaftlichen Einrichtungen meint, genauso relevant wie die Erarbeitung einer neuen Sammlungs- und Ausstellungspolitik – etwas bei dem der botanische Garten in Potsdam noch am Anfang steht. Nach dem Gespräch mit Michael Burkart haben wir mehr Fragen als Antworten: Wie lassen sich im Anschluss daran die Kolonialgeschichten der Pflanzen und botanischer Wissenschaftseinrichtungen zeigen? Wie gehen wir mit den Leerstellen in den botanischen Archiven um? Wenn die post/koloniale Forschung andere Geschichten, Widerstandsgeschichten fordert, wie könnten diese für die Pflanzen und deren Migrationsbewegungen aussehen?

[1] Für ein ähnliches Anliegen siehe:  https://wissenschaftliche-sammlungen.de/de/termine/workshop-politics-natural-history-how-decolonize-natural-history-museum

[2] https://www.uni-potsdam.de/botanischer-garten/

Credits // Text: Naomie Gramlich und Lydia Kray; Photographie: Naomie Gramlich und Lydia Kray
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100 Jahre nach dem Ende des deutschen Kolonialreichs: Erklärung des bundesweiten Netzwerks zur Dekolonisierung der Erinnerungskultur

Bundesnetzwerk fordert Anerkennung von Kolonialismus als Unrechtsherrschaft

decolonize bündnis

Am 25. November 2018 jährt sich das Ende des deutschen Kolonialreichs in Afrika, Ozeanien und Asien zum 100. Mal. Die brutale Durchsetzung deutscher Interessen während der 35-jährigen direkten Kolonialherrschaft kostete schätzungsweise einer Million Menschen – vor allem afrikanischer Herkunft – das Leben. Nicht nur Deutschlands Genozid an den Herero und Nama, sondern auch der Maji-Maji-Krieg und der Feldzug Lettow-Vorbecks im Ersten Weltkrieg in Ostafrika waren Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Doch die Kolonialzeit hat nicht nur die ehemaligen Kolonien nachhaltig verändert. Zwar sind Kolonialismus und antikolonialer Widerstand aus dem kollektiven Gedächtnis der deutschen Mehrheitsgesellschaft verdrängt worden. Trotzdem ist auch diese Gesellschaft von 600 Jahren europäischem Kolonialismus entscheidend geprägt. Davon zeugt der anhaltende strukturelle und institutionelle Rassismus. Das spiegelt sich in Hunderten von kolonialrassistischen Straßennamen und Denkmälern wider. Das belegt die Anwesenheit Tausender sterblicher Überreste, die für menschenverachtende Forschungen in deutsche Sammlungen verschleppt wurden. Daran erinnern zehntausende, im kolonialen Gewaltkontext angeeignete Kulturgüter in deutschen Museen.

Der koloniale Raubbau an Mensch und Natur setzt sich heute als andauernde globale Ungerechtigkeit, als ungleiche Verteilung von Reichtum, Ressourcen und politischem Einfluss fort.  Besonders betroffen von struktureller Benachteiligung sind Menschen in Afrika und in der afrikanischen Diaspora. Um darauf hinzuweisen und den Beitrag von Menschen in Afrika und in der afrikanischen Diaspora an der Aufarbeitung der daraus erwachsenden Herausforderungen zu würdigen, haben die Vereinten Nationen 2015 die International Decade for People of African Descent ausgerufen.

Aus diesen Gründen begrüßen wir, dass die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag 2018 die Kolonialzeit erstmals als eines der zentralen Themen der Erinnerungskultur in Deutschland benannt hat. Zugleich protestieren wir entschieden gegen ihre Auffassung, dass es dabei nur um die „deutsche Kolonialgeschichte“ gehen würde. Denn nicht nur ist Kolonialgeschichte eben keine nationale, sondern eine verwobene Geschichte Kolonisierender und Kolonisierter, welche nicht länger einseitig von Deutschland aus interpretiert werden darf. Es ist vor allem auch nicht hinnehmbar, dass der deutsche Kolonialismus – im Gegensatz zu der im Koalitionsvertrag eindeutig verurteilten NS-Terrorherrschaft und zum ebenfalls kritisch bewerteten SED-Regime – nicht explizit als Unrechtsherrschaft anerkannt wird.

Wir fordern die Bundesregierung, die Bundesländer und die Kommunen dazu auf:

  • den Kolonialismus entsprechend Art. 14 der Erklärung der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus von Durban 2001, welche die Bundesregierung unterzeichnet hat, als Unrecht zu benennen und unmissverständlich zu verurteilen.
  • jegliche Forschung an menschlichen Überresten aus kolonialen Kontexten, die nicht der Rückführung dieser Gebeine dient, sofort zu stoppen. Die Identifizierung und Rückgabe der für kolonialrassistische Forschungen missbrauchten human remains ist eine der dringlichsten geschichtspolitischen Aufgaben unserer Zeit und soll gemeinsam mit Expert*innen der Herkunftsgesellschaften erfolgen. Die betroffenen, ehemals kolonisierten Staaten und Gemeinschaften sind umgehend über den Verbleib ihrer verschleppten Vorfahr*innen und zu informieren, die in einer Online-Datenbank verzeichnet werden müssen.  Zur schnellstmöglichen Bewältigung dieser Aufgabe sollen kurzfristig ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden. Wer 600 Millionen Euro für den Aufbau des Humboldt Forums im Berliner Schloss ausgibt, darf an dieser Stelle nicht von fehlenden Geldern sprechen.
  • dem Beispiel der Bundesländer Hamburg und Berlin zu folgen, welche die Nachfahr*innen der Opfer des deutschen Genozids (1904–08) an den Herero und Nama bereits um Entschuldigung gebeten haben. Es ist nicht hinnehmbar, dass eine Anerkennung des Genozids und eine offizielle Bitte um Entschuldigung durch den Bundestag und die Bundesregierung trotz jahrelanger deutsch-namibischer Regierungsverhandlungen noch immer nicht erfolgt ist. Nach der UN-Deklaration für die Rechte indigener Völker dürfen die selbst bestimmten Vertreter*innen der Herero und Nama nicht länger von diesen für sie entscheidenden Verhandlungen ausgeschlossen werden. Im Rahmen des von ihnen geforderten Trialogs soll auch über die Höhe der an die Herero- und Nama-Gemeinschaften zu zahlenden Entschädigungen für den von der deutschen Regierung im Rahmen des Genozids vollzogenen Land- und Viehraub verhandelt werden.
  • die offenbar über Jahrzehnte vernachlässigte Provenienzforschung zu Kulturobjekten aus kolonialen Kontexten in deutschen Museen und Sammlungen mit erheblich mehr finanziellen Mitteln auszustatten und voranzutreiben. Die Objektgeschichten, die Umstände der ungleichen Aneignung oder des Kulturgüterraubs müssen in enger Zusammenarbeit mit Expert*innen aus den betroffenen Gesellschaften erarbeitet sowie sukzessive und mehrsprachig in eine öffentlich zugängliche Online-Datenbank gestellt werden. Über den Verbleib der in kolonialen Gewaltkontexten angeeigneten Kulturschätze sollen die betroffenen Gesellschaften proaktiv informiert werden.
  • der geplanten Rückgabe von Objekten aus Hendrik Witboois Privatbesitz durch Baden-Württemberg zeitnah weitere Restitutionen von gewaltsam angeeigneten Kulturgütern folgen zu lassen. Den Vorschlag eines Verleihs erbeuteter Objekte an die Herkunftsgesellschaften, wie er für die einzigartigen Benin-Bronzen angedacht ist, lehnen wir als Zumutung für die Enteigneten ab. Vielmehr muss die Restitution aller Objekte aus kolonialen Kontexten, deren rechtmäßiger Erwerb nicht nachweisbar ist, angeboten werden. Die Voraussetzungen für eine Rückgabe solcher Kulturschätze aus der Zeit 1884–1918, in der Teile Afrikas, Ozeaniens und Asiens unter deutscher Herrschaft standen, sollen im Laufe der kommenden vier Jahre geschaffen werden.
  • umfassende Konzepte zur kritischen Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte und seinen Folgen sowie zur Dekolonisierung der Erinnerungskultur auf der Ebene des Bundes, der Länder und Kommunen zu erarbeiten. Diese Konzepte sollen unter maßgeblicher Beteiligung der Nachfahr*innen Kolonisierter und in enger Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Initiativen erstellt und umgesetzt werden.
  • am Platz der Berliner Afrika-Konferenz 1884/85 und in anderen Städten in Deutschland Mahnmale für die Opfer von Kolonialismus, Versklavung und Rassismus sowie Lern- und Gedenkstätten zu errichten. Bei der Konzeption solcher Erinnerungsorte sind die bundesweiten und regionalen Organisationen der Nachfahr*innen Kolonisierter von Beginn an maßgeblich einzubeziehen. Diese Erinnerungsorte sollen wie jene zur NS-Terrorherrschaft und zum SED-Regime in der Gedenkstättenkonzeption des Bundes Berücksichtigung finden. Bei der Errichtung und Ausstattung von Mahnmalen sowie Lern- und Gedenkstätten in Deutschlands ehemaligen Kolonien sollen die Nachfahr*innen der Kolonisierten finanziell unterstützt werden.
  • Straßen, die durch ihren Namen Kolonialakteur*innen und -verbrecher*innen ehren oder rassistische Fremdbezeichnungen fortschreiben, in Würdigung von Persönlichkeiten des antikolonialen Widerstands umzubenennen. Die Benennungsgeschichten der Straßen sollen in der Folge auf einer Informationstafel sichtbar gemacht werden. An Straßen, deren Namen durch Ortsbezeichnungen oder auf andere Weise einen Bezug zur Kolonialgeschichte herstellen, braucht es kritische Kommentierungstafeln.
  • den schulischen und universitären Geschichtsunterricht zu globalisieren und zu diversifizieren. Der kritischen Auseinandersetzung mit dem europäischen Kolonialismus und Rassismus sowie der Erinnerung und Würdigung des antikolonialen Widerstands muss ein zentraler Platz in den Lehrplänen von Schulen, Universitäten und Fortbildungseinrichtungen für Lehrkräfte eingeräumt werden. Die Zusammenarbeit von Bildungsinstitutionen mit externen Bildungsexpert*innen aus Initiativen zur Dekolonisierung und gegen Rassismus ist stärker zu fördern. Das neue Bundesprogramm „Jugend erinnert“ soll thematisch um die kritische Auseinandersetzung mit dem europäischen und deutschen Kolonialismus erweitert werden. Zudem soll eine namibisch-deutsche Schulbuchkommission einberufen werden.
  • die öffentlichen Museen zu dekolonisieren. In ihrer Repräsentation basieren die meisten europäischen Museen noch heute auf den eurozentrischen und nationalistischen Ideen des 19. Jahrhunderts, die zu einer rassistischen Konstruktion des außereuropäischen „Anderen“ geführt haben. In den Ausstellungsnarrativen wird die gewaltvolle Kolonialgeschichte zudem oft verharmlost oder verschwiegen. Die Nachkommen der Kolonisierten müssen als maßgebliche Expert*innen eingeladen werden, um in den Museumsteams eingebunden zu werden.

Die am Bundestreffen der Initiativen zur Dekolonisierung der Erinnerungskultur am 17./18. November 2018 in Berlin teilnehmenden Organisationen:

AfricAvenir International

AFROTAK TV cyberNomads

Arbeitskreis Hamburg Postkolonial

Arbeitskreis Koloniales Vergessen. Quo Vadis, Hamburg?

Arbeitskreis Panafrikanismus München

Arca – Afrikanisches Bildungszentrum e. V.

Augsburg postkolonial

Berlin Postkolonial

Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag – BER

Bielefeld Postkolonial

Cottbus postkolonial und postsozialistisch

Decolonize Hannover

decolonize Jena

Decolonise Academia; Tübingen

Düsseldorf postkolonial

Dresden Postkolonial

FuturAfrik – Forum für Globale Gerechtigkeit

Halle Postkolonial

Initiative Schwarze Menschen in Deutschland – ISD

kassel postkolonial

Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika – KASA

Leipzig Postkolonial

[muc] münchen postkolonial

Potsdam postcolonial

Schwarze Diaspora Hochschulgruppe Potsdam

Tanzania-Network.de

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Mister Achmed of Glienicke

As we read about the painting of Achmed hanging in Glienicke Palace in SchwarzRund’s novel Biskaya, we decided to go and see it. In July 2018, we then went on a Postcolonial Potsdam team excursion to the Palace.

Der Innenhof von Schloss Glienicke

The courtyard of Glienicke Palace

The Glienicke Palace is located in the South-West of Berlin, right by the city’s boundary to Potsdam. When we arrived, we learned that we could only enter the Palace with a tour guide and not on our own. All the better, we thought, because it is always interesting to learn about the institution’s own narrative of the historical events it presents. The Glienicke Palace belonged to Prince Carl of Prussia (1801-1883), a huge fan of Italy who wanted to recreate an impression of the Italian landscape and architecture right there. At the age of just 23, he bought the mansion and employed the architect Karl Friedrich Schinkel to transform it into a magnificent neoclassical castle. The landscape around Prince Carl’s estate was designed and arranged by Peter Joseph Lenné. Especially the gardens around the Castle suggest the idea of Italy. Our tour guide explained that it is hardly possible to reconstruct exactly how the rooms of the Castle were used or what they looked like during the lifetime of Prince Carl. Today, the museum mainly aims to present Neoclassicism or the so-called Schinkel era to its visitors.

At the beginning of our tour through the Castle, we told our guide that we work on Brandenburg-Prussian colonialism and that it was the painting of Achmed especially which brought us to Glienicke on that day. Our guide reacted in a puzzling way. Although she had first kindly asked about our interest in the Palace, our answer led her to conclude that she could only offer us a regular tour. When we arrived in the room with the painting of Achmed, she thoughtfully announced it to us. Thereon, however, without any critical comments from our part, she started to defend Achmed’s contemporaries as if our mentioning of colonialism would mean that we would be accusing all influential white men from the epoch of being evil; in other words, that we would be assuming that everybody, including passive bystanders of colonialism, would be nasty racists. Effectively, we are mainly interested in making invisible aspects of Brandenburg-Prussian pomp and circumstances visible. Part of the work consists of tracing and contextualizing the presence of Black people who lived and served at the Prussian courts. During the remainder of the tour, our guide appeared suspicious of any question we asked, even when those were entirely unrelated to colonialism. It felt as if she thought we were secretly hiding points of critique in our questions. Who knows, maybe we really were a confusing audience. Not the kind of visitors exclaiming: “Splendid, it really feels like little Italy here!”

Das blaue Zimmer in Schloss Glienicke

The blue room in Glienicke Palace

The full name of the painting of Achmed reads Der Mohr Achmed mit englischen Neufundländern am Tor des Kronprinzenpalais (The Moor Achmed with English Newfoundland Dogs at the Gate of the Crown Prince’s Palace). It was painted in 1823 by Constantin Schroeter. “Mohr” (in English sometimes translated as “moor” or “blackamoor”) was the then common German name for people of African descent. Because of the word’s derogatory character, we will not use it anymore in the following. Instead we will write M. The painting of Achmed hangs right under a painting of Prince Carl’s favorite horse Agathon – representations of several beings (animals and humans) who had been close to Carl’s heart staged together in the Palace’s blue room. Most likely an accidentally unfortunate composition by the museum curators. The inclusion of Achmed’s name in the title of Schroeter’s painting marks a moment in the 19th century, in which a handful of servants of African descent at the Prussian courts came out of their anonymity. They can at least be matched with a name (in contrast to the statues and busts in Park Sanssouci). The same Achmed was immortalized on several paintings. He can also be found in the New Palace as part of the painting Parade Unter den Linden in Berlin (1939) by court painter Franz Krüger.

achmed

Achmed and English Newfoundland Dogs in front of the Crown Prince’s Palace

During the guided tour, we were assured that Achmed earned money for his services and that he most likely enjoyed his life at court, because otherwise he would have been free to leave. However, ample sources convey a different picture. Joachim Zeller writes in the book Black Berlin that the social life situation of the Black population in and around Berlin during the 19th century was mostly precarious. They experienced exoticizing exclusion and racially motivated discrimination. Joachim Zeller even cites the Deutsche Kolonialzeitung (German Colonial Press) of 1884, which particularly mentions Achmed: “the M. Achmed of Prince Carl was stared at like a mythical creature”.

Achmed has not entirely lost his anonymity through the paintings. Not much more than his name or these two paintings can be found, the story of his life remains undocumented and obscure.  SchwarzRund uses this gap for her novel Biskaya. In her phantasy-Berlin, a direct descendant of Achmed frees the painting from the Glienicke Palace, so that Achmed the ancestor no longer has to endure the stares of the mostly white visitors.

Credits // Author: Anna von Rath, Photography: Anna von Rath

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Herr Achmed von Glienicke

Als wir in SchwarzRunds Roman Biskaya über das Gemälde von Achmed im Schloss Glienicke gelesen haben, beschlossen wir, es uns mal anzusehen. Im Juli 2018 machten wir also einen kleinen Postcolonial Potsdam-Team Ausflug zum Schloss Glienicke.

Der Innenhof von Schloss Glienicke

Der Innenhof von Schloss Glienicke

Das Schloss Glienicke liegt im Südwesten Berlins, nur ein paar Meter von der Potsdamer Stadtgrenze entfernt. Als wir ankamen erfuhren wir, dass man nur mit einer Führung das Schloss besichtigen kann – umso besser, da es ja immer spannend ist, wie Geschichte von institutioneller Seite erzählt wird. Das Schloss Glienicke gehörte dem Prinzen Carl von Preußen (1801 – 1883), der sich dort bereits im Alter von 23 Jahren ein „kleines Italien“ nachbauen ließ. Im Jahr 1825 erstand Carl das Gutshaus und ließ es von dem Architekten Karl Friedrich Schinkel in ein prachtvolles klassizistisches Schloss umwandeln. Die Grünanlagen wurden von Peter Joseph Lenné gestaltet und vor allem der Park um das Schloss herum soll an Italien erinnern. Uns wurde bei der Führung gesagt, dass gar nicht mehr genau rekonstruiert werden kann, wie alle Räume zu Zeiten des Prinzen Carl gestaltet und genutzt wurden. Heute soll das Museum hauptsächlich einen Eindruck des Klassizismus oder der Schinkelzeit vermitteln.

Als wir zu Beginn unserer Schlossführung erzählten, dass wir eine Gruppe sind, die sich mit brandenburg-preußischem Kolonialismus beschäftigt und besonders wegen des Gemäldes von Achmed zu Besuch in Glienicke seien, reagierte die Museumsführerin auf eine irritierende Art und Weise. Sie nahm zunächst freundlicherweise unser gezieltes Interesse auf, doch sagte auch, dass sie dann einfach eine reguläre Führung geben würde. Als wir endlich in den Raum mit dem Bild Achmeds kamen, kündigte sie dies netterweise extra an. Daraufhin begann sie allerdings Achmeds Zeitgenossen zu verteidigen, als ob die Erwähnung von Kolonialismus gleich bedeuten würde, dass wir allen weißen und einflussreichen Menschen dieser vergangenen Epoche Böses unterstellten, dass wir alle möglicherweise auch nur am Rande am Kolonialismus beteiligten Menschen sogleich als widerliche Rassist_innen verurteilten. Dabei geht es uns tatsächlich darum, die oft unsichtbar gemachten Aspekte der brandenburg-preußischen Geschichte wie die Anwesenheit von Schwarzen Menschen an Hofe zu kontextualisieren. Unsere Führerin schien auch während der restlichen Führung bei jeder Frage, dir wir stellten, die nichts mit Kolonialismus zu tun hatte, etwas argwöhnisch zu sein, als würden wir irgendwo noch eine Kritik verstecken. Wer weiß, vielleicht waren wir wirklich ein verwirrendes Publikum, weil wir keinmal gesagt haben „Ach, hier sieht es aber wirklich aus wie in Italien. Prächtig!“.

Das blaue Zimmer in Schloss Glienicke

Das blaue Zimmer in Schloss Glienicke

Das Gemälde von Achmed heißt vollständig Der Mohr Achmed mit englischen Neufundländern am Tor des Kronprinzenpalais und wurde 1823 von Constantin Schroeter gemalt. „Mohr“ war der damals gängige Begriff für Menschen afrikanischer Herkunft, wir möchten ihn wegen seinem abwertenden Charakter im Folgenden nicht mehr verwenden und schreiben stattdessen M. Das Gemälde von Achmed hängt gleich unter einem Bild von Prinz Carls Lieblingspferd Agathon – scheinbar zwei Dinge, die dem Prinzen Carl sehr am Herzen lagen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine unbewusst unglückliche Nebeneinanderstellung seitens des Museums. Dass Schroeters Bild von Achmed mit dessen Namen betitelt ist, kennzeichnet einen Moment im 19. Jahrhundert, als einige wenige der preußischen Bediensteten afrikanischer Herkunft aus der Anonymität heraustraten, da ihnen wenigstens ein Name zugeordnet werden kann (im Gegensatz zu den Statuen oder Büsten von Schwarzen Menschen im Park Sanssouci). Derselbe Achmed wurde gleich auf mehreren Gemälden verewigt, er kann auch noch auf dem Gemälde Parade Unter den Linden in Berlin (1839) des Hofmalers Franz Krüger, das im Neuen Palais in Potsdam hängt, gesehen werden.

Herr Achmed von Glienicke

Herr Achmed von Glienicke

Auch wenn uns während unserer Schlossführung versichert wurde, dass Achmed für seine Dienste bezahlt wurde und es ihm sicherlich gut ging, da er andererseits einfach den Hof hätte verlassen können, gibt es reichliche Quellen die ein anderes Bild vermitteln. Joachim Zeller schreibt in dem Buch Black Berlin, dass die soziale Lebenssituation der Schwarzen Bevölkerung in und um Berlin im 19. Jahrhundert meist prekär war. Sie erlebten exotisierende Ausgrenzung und rassistisch motivierte Diskriminierung. Joachim Zeller zitiert unter anderem aus der Deutschen Kolonialzeitung von 1884, in der es heißt, dass „der M. des Prinzen Karl angestarrt wurde, wie ein Tier aus dem Fabelland“.

So ganz verliert Achmed seine Anonymität durch die Gemälde nicht. Viel mehr als sein Name oder diese beiden Bilder von ihm ist nämlich nicht dokumentiert. SchwarzRund hat diese Lücke für ihren Roman Biskaya genutzt. In ihrem Phantasieberlin entwirft sie eine Nachfahrin Achmeds und befreit sein Gemälde letztendlich aus dem Schloss Glienicke, damit er wenigstens heute nicht mehr länger von den größtenteils weißen Besucher_innen angestarrt werden muss.

Credits // Autorin: Anna von Rath, Fotos: Anna von Rath

 

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Druckfrisch: Broschüre zu Kolonialrassismus und Widerstand

In Kooperation mit Carpus e.V, der Initative Schwarze Menschen in Deutschland, Berlin Postkolonial, Leipzig Postkolonial, Dresden Postkolonial sowie der Schwarzen Diaspora Hochschulgruppe Uni Potsdam haben wir die Broschüre „Kolonialrassismus und WIderstand. Globales (Geschichts-)Lernen in Berlin, Dresden, Leipzig und Potsdam“ herausgebracht.

kolonialrassismus und widerstand

Hier könnt ihr die Broschüre runterladen: Broschüre Kolonialrassismus und Widerstand.

Die Broschüre erzählt die Geschichten von Orten, Gebäuden, Gemälden und Traditionen, die den Kolonialismus bis in die Gegenwart tragen, die koloniales Denken und Sehen im Heute fortschreiben. Beispielhaft für Potsdam findet sich in der Broschüre ein Beitrag über Blackfacing und das Gemälde „Babette Cochois“ von Antoine Pesne. In Potsdam hängen in der Gemäldegalerie, im Schloss Sanssouci und im Neuen Palais viele Gemälde aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die häufig (wenn auch im Hintergrund) Schwarze Menschen zeigen. In der Zeit galt es als chic, Schwarze Menschen als Diner*innen bei Hofe zu haben. Genau in dieser Funktion tauchen sie auch oft in Gemälden auf (Dieser Beitrag ist von der Schwarzen Diaspora Hochschulgruppe der Uni Potsdam). Ein weiterer Beitrag thematisiert eine aktuellere Form des Blackfacing, nämlich die kontroverse Figur der Zwarten Pieten beim alljährlichen holländischen Sinterklaasfest in Potsdam.

Anlass für die Broschüre waren die entwicklungspolitischen Bildungstage 2017 in Berlin, Brandenburg und Sachsen. Gemeinsam hatten sich alle drei Bildungsprojekte auf das Schwerunktthema (Post-)Kolonialismus geeinigt. Als Fortbildungsmöglichkeit für die Bildungsreferent*innen hatte Carpus e.V. am 21. Februar 2017 gemeinsam mit uns und den anderen postkolonialen Inititativen aus Berlin, Dresden und Leipzig sowie mit der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) einen Fachtag organisiert. Die Vorträge des Fachtages wurden in der vorliegenden Broschüre aufgearbeitet.

 

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Forum zur Entschädigung für den Genozid in Namibia am 09.04.2017 um 11:05 und 20:05 im InfoRadio RBB

Am 20.03.2017 fand eine Podiumdiskussion im Zeughaus Kino des Deutschen Historischen Museums statt, zu den Fragen der Entschuldigung und der Entschädigung für den vom deutschen Kaiserreich angeführten Völkermord der Ovaherero und Nama zwischen 1904 und 1908. In Form eines Radio-Forums leitete Harald Asel vom RBB die Diskussion zwischen Ruprecht Polenz (CDU), dem Vertreter der Bundesregierung in den Verhandlungen mit der namibischen Regierung, Israel Kaunatjike, einem seit über 40 Jahren tätigen Herero-Aktivisten, der in Berlin lebt, und drei weißen Deutschen Wissenschaftler*innen die sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzen: Reinhardt Kößler (Soziologe), Larissa Förster (Ethnologin) und Jonas Kreienbaum (Historiker).

Zum ersten Mal traf sich Ruprecht Polenz mit einem angehörigen der betroffenen Gemeinschaften  in Deutschland, nachdem er die Einladungen zur Diskussion während des letzten Besuchs der Herero und Nama in Berlin absagt hatte. Der CDU Politiker verkündete: “Dass die Entschuldigung erfolgen soll ist klar.” Der Konsens brach aber zur Frage der Entschädigung. Israel Kaunatjike machte bekannt, dass die Ovaherero und Nama keine “30 Milliarden” fordern, im Verweis zu der angekündigten Klage der namibischen Regierung. Stattdessen forderte Israel Kaunatjike, wie bereits durch die Resolution des Berliner Kongress der Ovaherero und Nama im Oktober verkündet, direkte Verhandlungen zu einer Landreform. Während der Kolonialzeit in Deutsch Südwest Afrika (1885-1914) konnten deutsche Siedler, Dank eines unfairen Kreditsystems, das Land und das Vieh von den heimischen Gemeinschaften in Besitz nehmen. Da diese die Hauptgründe für den Aufstand der Nama und dann der Ovaherero gegen das deutsche Kaiserreich waren, liegt die Rückgabe dieses Eigentums im Zentrum der Debatte, zumal im heutigen Namibia immer noch Nachfahren von deutschen Siedlern im Besitz dieser Gebiete sind.

Ruprecht Polenz bedauerte, dass die Ergebnisse der Verhandlungen nicht unter dem jetzigen Bundestag abgeliefert werden können. Während der Verhandlungen, die immer noch nur zwischen Namibia und Deutschland stattfinden, haben Vertreter*innen der Ovaherero und Nama in den Vereinigten Staaten im Januar Deutschland vor einem US Gericht verklagt. Eine zweite Gerichtssitzung wurde für den 21. Juni 2017 angekündigt. Solange keine Diskussion zwischen allen Akteur*innen (Bundesregierung, namibische Regierung, Vertreter*innen der Ovaherero und Nama, und Deutsch-Namibier*innen) erfolgt, kann der Prozess der Versöhnung vorraussichtlich nicht vollständig durchgeführt werden.

Die Diskussion wird am Sonntag 09.04.2017 um 11:05 und 20:05 im Inforadio RBB übertragen:
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Höchststrafe für Patrick Lemoine

I have repeatedly been amazed by the daring intelligence of Rowan Atkinson’s sketch “Drunk English in an Indian Restaurant.” Youtube comments below the most popular of several video uploads show that while some view his performing as an Indian waiter as racist and stereotyping, many instead argue that he is rather putting the ridicule on the imaginary drunk, vulgar and soccer-loving English guests he is waiting on. I was reminded of this witty and provocative wonder when I went to the Flic Flac Circus’s latest show Höchststrafe in Berlin. Comedian-juggler Patrick Lemoine also took on an Indian accent for comical purposes. But I didn’t laugh.

It all started well. The Flic Flac Circus can indeed boast of many mind-blowing acts. I have only praise in my pocket for the group of tightrope walkers, the motocross riders and the cool German wheel virtuoso Evgeny Nikolaev. And when Patrick Lemoine began juggling, I thought he was skilled. I juggle myself and have often found jugglers who try to beat the numbers a bit boringly mechanical. I have less fun watching someone throwing as many clubs, balls and hoops as he/she can, than someone instilling poetry and comedy in the movements of his/her two or three accessories. In a similar vein, Lemoine had chosen to impersonate an awkward flop who could only juggle with three balls, at the same time making fun of this himself by describing the poor tricks he pulled.

Yet, as soon as he laid his balls at rest, his performance began to crumble. After a silly, fremdschämender magic trick enabling Lemoine to slip a predictable, harmless joke on the Nazi salute, the lights went off for a second to let him put on a scarf on his head. A sound engineer pressed play, and Panjabi MC’s Mundian to Back Ke rang loud in the tent, while Lemoine’s character showed off his dancing skills, waving his hips, encouraged by the whistles and cheers coming from the German crowd. Edward Said must have been turning in his grave.

The orientalist show was just starting. After this problematic choreographic interlude, Lemoine went on with talking. In contrast to the cleverness of Atkinson’s character, whose amiability obliges him to acknowledge, tongue-in-cheek, the trickiness of a “deceptively flat” floor for boozed up Englishmen, Lemoine’s so-called “Indian” spoke unintelligibly in a simple English. He walked hectically to and fro, jabbering around under the punctuated laughs of the audience. I felt some pinches of unease at times in the crowd’s tone, but I might have been deceived. In the meantime, the cliché character had picked up a young first row spectator to accompany him on stage for his act. He greeted the youth with a frenzied shake of the hand, rhythmically modelled on a flood of syllables supposedly imitating an „Indian“ variety of English. The continuous blathering in that stereotyped accent got more and more annoying, especially when it forced the teenager to ask him to repeat himself, pathetically striving to create a comical effect on (intercultural?) misunderstandings. This is when I became aware of his lack of talent: Lemoine was actually wasting time on stage. After a few minutes of unrelated gags involving some prop assistants, the young guest rolled the drums while Lemoine’s foolish character attempted to force a teddy dog to jump through a hoop, reminding us that the Flic Flac Circus did not exploit animals for its profit purposes. He kicked the teddy’s butt to score it through the hoop. I would have gladly done the same with his.

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Some might ask: why do I bother? I usually flee from massive popular entertainment. Take that “oriental dinner show,” MADI – Zelt der Sinne. I have seen their advertisements a thousand times in the Berlin U-Bahn and can already foresee how my own academic postcolonial background will ruin my dish if I ever eat there. What is then the point of writing about Lemoine’s performance in Flic Flac?

Well, the show Höchststrafe is an overwhelming success. Until its departure from Berlin on 29th February, it will probably have been seen by over 100,000 visitors, some of them coming from Brandenburg as well. The rest of the performances were breathtaking, I recognize that. At the same time, I consider Lemoine’s act as harmful. First, it could be insulting for some of its audience. Secondly, it fuels false stereotypes about people from India and Pakistan. Many children have seen Höchststrafe. What do they learn from such clowning? A Eurocentric cliché. Thirdly, if Lemoine had impersonated another dim-witted character, say supposedly from the African continent or from East Asia, the Flic Flac board would have perhaps denied him the stage. The presence of this show on a best-selling stage implies one can publicly mock people from the Indian subcontinent with impunity.

Lemoine was once awarded the “ZDF International Artist Prize.” These credentials will surely help him integrate other shows whenever his contract with Flic Flac comes to an end. I hope he will stick to juggling in the future. On a more positive note, we can surely rejoice in the apparent lack of wit that arose from his act. But because of its participation in shaping public consciousness on a large scale, it is important to condemn it. Patrick Lemoine’s starters were not bad. Then, he fell flat, and remained a (ob)noxious chump for the rest of his performance.

Credits // Yann Le Gall
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