Forum zur Entschädigung für den Genozid in Namibia am 09.04.2017 um 11:05 und 20:05 im InfoRadio RBB

Am 20.03.2017 fand eine Podiumdiskussion im Zeughaus Kino des Deutschen Historischen Museums statt, zu den Fragen der Entschuldigung und der Entschädigung für den vom deutschen Kaiserreich angeführten Völkermord der Ovaherero und Nama zwischen 1904 und 1908. In Form eines Radio-Forums leitete Harald Asel vom RBB die Diskussion zwischen Ruprecht Polenz (CDU), dem Vertreter der Bundesregierung in den Verhandlungen mit der namibischen Regierung, Israel Kaunatjike, einem seit über 40 Jahren tätigen Herero-Aktivisten, der in Berlin lebt, und drei weißen Deutschen Wissenschaftler*innen die sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzen: Reinhardt Kößler (Soziologe), Larissa Förster (Ethnologin) und Jonas Kreienbaum (Historiker).

Zum ersten Mal traf sich Ruprecht Polenz mit einem angehörigen der betroffenen Gemeinschaften  in Deutschland, nachdem er die Einladungen zur Diskussion während des letzten Besuchs der Herero und Nama in Berlin absagt hatte. Der CDU Politiker verkündete: “Dass die Entschuldigung erfolgen soll ist klar.” Der Konsens brach aber zur Frage der Entschädigung. Israel Kaunatjike machte bekannt, dass die Ovaherero und Nama keine “30 Milliarden” fordern, im Verweis zu der angekündigten Klage der namibischen Regierung. Stattdessen forderte Israel Kaunatjike, wie bereits durch die Resolution des Berliner Kongress der Ovaherero und Nama im Oktober verkündet, direkte Verhandlungen zu einer Landreform. Während der Kolonialzeit in Deutsch Südwest Afrika (1885-1914) konnten deutsche Siedler, Dank eines unfairen Kreditsystems, das Land und das Vieh von den heimischen Gemeinschaften in Besitz nehmen. Da diese die Hauptgründe für den Aufstand der Nama und dann der Ovaherero gegen das deutsche Kaiserreich waren, liegt die Rückgabe dieses Eigentums im Zentrum der Debatte, zumal im heutigen Namibia immer noch Nachfahren von deutschen Siedlern im Besitz dieser Gebiete sind.

Ruprecht Polenz bedauerte, dass die Ergebnisse der Verhandlungen nicht unter dem jetzigen Bundestag abgeliefert werden können. Während der Verhandlungen, die immer noch nur zwischen Namibia und Deutschland stattfinden, haben Vertreter*innen der Ovaherero und Nama in den Vereinigten Staaten im Januar Deutschland vor einem US Gericht verklagt. Eine zweite Gerichtssitzung wurde für den 21. Juni 2017 angekündigt. Solange keine Diskussion zwischen allen Akteur*innen (Bundesregierung, namibische Regierung, Vertreter*innen der Ovaherero und Nama, und Deutsch-Namibier*innen) erfolgt, kann der Prozess der Versöhnung vorraussichtlich nicht vollständig durchgeführt werden.

Die Diskussion wird am Sonntag 09.04.2017 um 11:05 und 20:05 im Inforadio RBB übertragen:
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Rassismus: Ein ernstzunehmender Faktor für eine Politik von Morgen

Wirtschaftliche Talfahrten, die Auswirkungen von Privatisierung und Konsumkultur, Politikverdrossenheit, wachsende Armut, erhöhtes Gewaltpotential auf der Straße und vor allem mehr Übergriffe auf Frauen, der Verfall von Familienwerten und auch von Sprache… Jetzt mal ganz ehrlich: Diese ganzen Verlustängste können nicht einfach auf die so genannte Flüchtlingskrise und verstärkte Einwanderung in Europa geschoben werden. Paul Gilroy, Professor für Amerikanistik und Anglistik am King’s College London, fragt sich wieso so viele gesellschaftliche Ängste an ‚Rasse‘ und Einwanderung als Ursprung von nationalem Leiden festgemacht werden. Oder anders gesagt, wieso diese Probleme in Zeiten größerer Zuwanderung verstärkt Rassismus und Nationalismus hervorrufen. Er folgert, dass diejenigen, die Politik machen, Rassismus als ernstzunehmenden Faktor einbeziehen müssen, um wirksam gegen die Hinwendung zu rechts orientierten Ideen und Ungerechtigkeiten vorzugehen.

Sobald Rassismus auch nur zögerlich zur Diskussion gestellt wird, folgt gleich die Furcht als ‚politisch korrekt‘ angeprangert zu werden. Deshalb ist es auch nicht überraschend, dass Paul Gilroy eine generelle Ablehnung dagegen beobachtet, Rassismus als aktive und dynamische politische Kraft anzuerkennen. Dabei wäre es eigentlich absolut notwendig verstärkt über Rassismus zu sprechen. In seinem Buch After Empire: Melancholia or Convivial Culture (2004) geht Paul Gilroy der Frage nach, wie sinnvoll mit dem Erbe der Kolonialzeit, zu dem der heutige Rassismus eindeutig gehört, umgegangen werden kann. Er möchte nicht nur die aktuelle Situation verreißen, sondern auch mögliche Handlungsweisen vorstellen, die maßgeblich dazu beitragen könnten eine Welt ohne rassistische Rangordnungen zu schaffen. Im Folgenden gibt es eine kurze Zusammenfassung seiner Hauptaussagen in Bezug auf Deutschland. (Er selbst beziehtsich auf Großbritannien.)

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Der Ausgangspunkt von Paul Gilroys Argumentation ist sehr simpel: In unserer Welt kamen wir noch nie drum herum mit unterschiedlichen Menschen zusammen zu leben. Unterschiede können dabei an ganz verschiedenen biologischen und/oder sozialen Eigenschaften von Menschen ausgemacht werden. Manche Menschen sind groß, andere sind klein, manche Menschen haben viel Geld, andere wenig, manche Menschen haben eine dunkle Hautfarbe, andere haben eine hellere Hautfarbe. Ganz besonders die letzten beiden Beispiele tragen zu einer gesellschaftlichen Einordnung in besser und schlechter bei, weshalb sie auch als sozio-kulturell konstruiert bezeichnet werden und eine politische Dimension erhalten. Zumindest in Europa, aber wahrscheinlich ebenfalls in vielen anderen Teilen der Welt, wird mehr Geld und eine hellere Hautfarbe als besser angesehen. Durch die Wertung von Unterschieden, können auch Ängste vor ihnen entstehen – oder sie werden sogar mit Hilfe von Geschichten, Nachrichten und der Politik der Regierungen geschürt.

Es scheint ein besonders wichtiger Punkt zu sein, dass Regierungen ihre Finger im Spiel haben und die Welt überhaupt in Nationalstaaten eingeteilt ist. In seinem Buch stellt Paul Gilroy fest, dass es auf Grund von existierenden Grenzen zwischen Staaten zwei übliche Wege gibt, wie mit Unterschieden umgegangen wird:

1.) Innerhalb staatlicher Grenzen sollen sich alle Neuankömmlinge an das Bestehende anpassen. Das wird durch staatliche Maßnahmen unterstützt und heißt, was immer als z.B. deutsch verstanden wird, gilt dann für alle die nach Deutschland ziehen. Deutsch ist die Sprache, die gesprochen werden muss. Aber es gibt auch bestimmte Traditionen, die zum Deutsch-Sein gehören (vielleicht Weihnachten mit Rotkohl und Klößen, das Begrüßen mit Händeschütteln oder Tatort gucken am Sonntag). Diese erste Option mit Unterschieden umzugehen, zieht also auf eine Vereinheitlichung innerhalb Deutschlands ab – oder eben jedes anderen Landes.

2.) Solidarität und Verbundenheit geht über staatliche Grenzen hinaus, auf Grund von einer gleichen politischen Gesinnung oder (vermeintlich) ähnlichen Erfahrungen. Dieser Weg wird meist von nicht staatlichen Gruppen eingeschlagen und es wird eigentlich eher nach Gleichheit geschaut. Zum Beispiel bauen verschiedene feministische Bewegungen auf grenzüberschreitende Solidarität und versuchen sich für die Rechte aller Frauen weltweit einzusetzen.

Beide Ansätze – nationale Vereinheitlichung und transnationale Solidarität – sind in der Form nicht erstrebenswert und sowieso unerreichbare Utopien sind. Grund für ihre Unzulänglichkeit ist die bisherige Missachtung der Kolonialgeschichte und des damit zusammenhängenden und immer noch bestehenden Rassismus.

Während des Kolonialismus haben z.B. weiße Deutsche Schwarze Menschen vom afrikanischen Kontinent nach Deutschland verschleppt, um sie zu Hofdiener_innen oder Musikant_innen zu machen oder sie zu Untersuchungszwecken zu missbrauchen. Natürlich haben diese Menschen Nachfahren, die heute noch in Deutschland leben. Es handelt sich um Schwarze Deutsche, deren Muttersprache Deutsch ist, die sich vielleicht auch mit Handschütteln begrüßen und Rotkohl und Klöße zu Weihnachten essen, aber dennoch nicht in die Idee der Vereinheitlichung passen – Geschichten, Nachrichten und Politik schreiben nämlich direkt oder indirekt zusätzlich fest, dass echte Deutsche doch nur weiße Menschen sein können. Das angebliche nicht Reinpassen nennt sich Rassismus. Zudem wird bei diesem Beispiel leicht deutlich, dass dieses Deutsch-Sein mit verschiedenem Maß gemessen wird: weiße Menschen, die sich lieber mit Küsschen begrüßen, Weihnachten Feiern allgemein blöd finden und womöglich gar kein Deutsch können, werden häufig trotzdem eher als Deutsch angesehen als Schwarze Menschen.

Bei den global interessierten Feministinnen, wurde auch zunächst nicht bedacht, dass Schwarze Frauen andere Erfahrungen machen als weiße, arme als reiche, junge als alte, etc. Deshalb haben verschiedene Frauen verschiedene Ziele und Bedürfnisse und es ist schwierig sich anhand einer einzigen Kategorie für transnationale Solidarität einzusetzen.

Es ist also ein Problem, wenn Rassismus nicht mitgedacht wird. Alle Menschen, sagt Paul Gilroy, sind nach der Logik von ‚Rassen‘ eingeteilt. Mit dem Begriff ‚Rasse‘ meint er nicht äußerliche Unterschiede von Körpern oder Farbtöne von Haut. Für ihn beschreibt ‚Rasse‘ ein entpersonalisiertes, diskursives Arrangement, das das brutale Ergebnis einer rassenorientierten Ordnung der Welt ist, die mit der Kolonialzeit begann. Auch wenn sich Rassismus seit dem Kolonialismus geändert hat, besteht weiterhin eine ‚Rassen‘-Logik. Paul Gilroy betont, dass ‚Rassen‘ nicht der Ursprung für diese fortwährende Welteinteilung waren, sondern die Folge. Die Folge des ‚Rassen‘-Denkens ist eine Belastung für einzelne Menschen, für Verfassungen von Nationalstaaten und die Demokratie.

Paul Gilroy ist auf der Suche nach einem anti-rassistischem Programm, das mehr kann als negative Momente zu benennen und einfach nur unsere Gegenwart kritisiert und entzaubert. Er sucht nach Ideen für ein anti-rassistisches Programm, das kreative Möglichkeiten für eine bessere Zukunft heraufbeschwören kann, in die es sich lohnt Hoffnung zu stecken. Ziel sollte es sein, sich politische, wirtschaftliche und soziale Systeme auszudenken, in denen ‚Rasse‘ einfach keinen Sinn mehr macht. Das heißt, es geht nicht darum, dass Einzelne sagen „Ich sehe ‚Rasse‘ gar nicht‘“, sondern um Strukturen (die aber natürlich von Einzelnen ausgeführt werden). Zusammengefasst verlangt Paul Gilroy Folgendes:

1.) Rassismus muss ein ernstzunehmender Faktor in der Politikgestaltung werden.

Die Welt kann ihrem aktuellen rassistischen Zustand nicht durch etwas mehr Wohlwollen füreinander entkommen, ‚Rasse‘ (und somit Rassismus) muss vollständig in die Modalitäten der Politik aufgenommen werden.

2.) Um Rassismus als ernstzunehmenden Faktor in der Politikgestaltung verwenden zu können, muss es als historisch gewachsenes, fortwährendes Problem betrachtet werden.

Beim Auftreten von Rassismus handelt es sich nicht um Einzelfälle, sondern um teilweise gesetzlich verankerte Traditionen, die einfach bisher noch nicht genug hinterfragt wurden. Deshalb kann es nicht isoliert als gegenwärtiges Problem angesehen werden. Es ist dringend notwendig die Geschichte, Hintergründe und Beständigkeit von Rassismus zu untersuchen und daraus Schlüsse für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Es muss deutlich werden, wann und wie Rassismus Träume von echter Demokratie und glaubwürdiger Gerechtigkeit berührt und verändert (hat). Das bedeutet, dass die Geschichtswissenschaftler_innen, die sich mit Europas verdrängter und verleugneter Schwarzen Geschichte befassen, bereit sein müssen, das Gleiche immer und immer wieder zu erzählen. Außerdem müssen alle mutig genug sein zuzuhören und aus dem Gehörten Konsequenzen ziehen. Erst durch die Aufarbeitung können klar benennbare Schritte entstehen.

3.) Eine Politik, die Rassismus als ernst zu nehmenden Faktor einbezieht, verlangt einen verantwortungsbewussten Umgang mit Schuld, z.B. in Form von Reparationen.

Bisher besteht ein größeres, kulturelles Problem, nämlich dass gerne die Schuld am Kolonialismus den Opfern zugeschoben wird. Auf diese Weise können die früheren Kolonialmächte sich sogar das Leid der anderen zu Eigen machen, was ihnen direkte politische und psychologische Vorteile verschafft. Wenn Kolonialismus nicht als eigene Schuld verstanden wird, kann er z.B. als Unglück, als Versehen oder als teilweise sogar gut betrachtet werden. (Im Sinne von: „ ‚wir‘ haben ‚denen‘ doch Infrastruktur gebracht“.) Wenn von offizieller Seite keine klaren Zeichen gesetzt werden, entsteht Raum für einen zerstörerischen Hunger nach erneuter Größe. (Beängstigende Auswüchse von nostalgischen Wünschen nach vergangener Größe sind u.a. der Brexit und der Erfolg von Donald Trump.)

4.) Eine Politik, die für sich beansprucht, Gerechtigkeit zu schaffen, kann nicht von Melancholie geleitet sein.

Es kann schmerzhaft sein, den Kolonialismus und die damit verbundene Schuld aufzuarbeiten. Es reicht nämlich nicht, vergangenen Rassismus zu verurteilen. Neu auftretende Formen, die gerne auch mit der Idee von kulturellen Unterschieden verschleiert werden, müssen genauso deutlich angeprangert werden. Konkret heißt das, dass mit allen Mitteln gegen den Mythos vorgegangen werden muss, dass verschiedene ‚Kulturen‘, ‚Rassen‘ oder wie auch immer es genannt wird, sich nicht mischen sollten, sie nicht vereinbar sind oder so etwas sogar Werte zerstören könnte. Der melancholische Impuls an Altem oder sogenannter ‚Reinheit‘ festzuhalten, sollte durch politische Intervention verschwinden.

5.) Eine gerechtere Politik sollte im Sinne der Gastfreundschaft agieren.

Es ist nötig politische Diskussionen über Staatsbürgerschaft, Zugehörigkeit und Nationalität weiter zu treiben und nicht bei dem dualen Rezept von Assimilation und Einwanderungskontrolle stehen zu bleiben. Die Landessprache zu lernen hilft nur begrenzt, um sich irgendwo zu Hause fühlen zu können. Eine gerechtere Politik sollte also gastfreundliche Maßnahmen neben einem freiwilligen Sprachkurs in der Landessprache etablieren.

6.) Eine gerechtere Politik sorgt dafür, dass die Faszination für den Begriff ‚Migrationshintergrund‘ in die Vergangenheit befördert wird.

Rund um Migration ranken sich Fragen von Zugehörigkeit, Anerkennung und Selbstbestimmung. So kann eine Zukunft geschaffen werden, in der Schwarze Europäer_innen und Europäer_innen of Color nicht mehr als Migrant_innen, sondern als Teil von Europa gesehen werden. Migration sollte nicht als vorgeschobene Ursache für die Konflikte in der europäischen politischen Ordnung, Wirtschaft und kulturellen Zusammensetzung dienen. Wenn überhaupt irgendein Konzept diesen Vorrangplatz in der Geschichte der europäischen Zuwanderung im 21. Jahrhundert haben sollte, dann ist es Rassismus und nicht Migration. Rassismus gab es schon bevor die ersten Migrant_innen in Europa ankamen und Rassismus machte ihre Ankunft zum Problem, nicht die Migration selbst.

Paul Gilroy stellt fest, dass Unterschiede auf Grund von erfundenen ‚Rassen‘ nicht selbstverständliche, unveränderbare Fakten des politischen Lebens sind. Durch die Anerkennung von Seiten der Politik, dass Rassismus ein gesellschaftlich ausschlaggebenden Faktor (und keine Lifestyle Option) ist, kann nicht nur mit Ängsten umgegangen werden, sondern auch für mehr Gerechtigkeit und ein angenehmeres Miteinander gesorgt werden.

Credits // Autorin: Anna von Rath
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Höchststrafe für Patrick Lemoine

I have repeatedly been amazed by the daring intelligence of Rowan Atkinson’s sketch “Drunk English in an Indian Restaurant.” Youtube comments below the most popular of several video uploads show that while some view his performing as an Indian waiter as racist and stereotyping, many instead argue that he is rather putting the ridicule on the imaginary drunk, vulgar and soccer-loving English guests he is waiting on. I was reminded of this witty and provocative wonder when I went to the Flic Flac Circus’s latest show Höchststrafe in Berlin. Comedian-juggler Patrick Lemoine also took on an Indian accent for comical purposes. But I didn’t laugh.

It all started well. The Flic Flac Circus can indeed boast of many mind-blowing acts. I have only praise in my pocket for the group of tightrope walkers, the motocross riders and the cool German wheel virtuoso Evgeny Nikolaev. And when Patrick Lemoine began juggling, I thought he was skilled. I juggle myself and have often found jugglers who try to beat the numbers a bit boringly mechanical. I have less fun watching someone throwing as many clubs, balls and hoops as he/she can, than someone instilling poetry and comedy in the movements of his/her two or three accessories. In a similar vein, Lemoine had chosen to impersonate an awkward flop who could only juggle with three balls, at the same time making fun of this himself by describing the poor tricks he pulled.

Yet, as soon as he laid his balls at rest, his performance began to crumble. After a silly, fremdschämender magic trick enabling Lemoine to slip a predictable, harmless joke on the Nazi salute, the lights went off for a second to let him put on a scarf on his head. A sound engineer pressed play, and Panjabi MC’s Mundian to Back Ke rang loud in the tent, while Lemoine’s character showed off his dancing skills, waving his hips, encouraged by the whistles and cheers coming from the German crowd. Edward Said must have been turning in his grave.

The orientalist show was just starting. After this problematic choreographic interlude, Lemoine went on with talking. In contrast to the cleverness of Atkinson’s character, whose amiability obliges him to acknowledge, tongue-in-cheek, the trickiness of a “deceptively flat” floor for boozed up Englishmen, Lemoine’s so-called “Indian” spoke unintelligibly in a simple English. He walked hectically to and fro, jabbering around under the punctuated laughs of the audience. I felt some pinches of unease at times in the crowd’s tone, but I might have been deceived. In the meantime, the cliché character had picked up a young first row spectator to accompany him on stage for his act. He greeted the youth with a frenzied shake of the hand, rhythmically modelled on a flood of syllables supposedly imitating an „Indian“ variety of English. The continuous blathering in that stereotyped accent got more and more annoying, especially when it forced the teenager to ask him to repeat himself, pathetically striving to create a comical effect on (intercultural?) misunderstandings. This is when I became aware of his lack of talent: Lemoine was actually wasting time on stage. After a few minutes of unrelated gags involving some prop assistants, the young guest rolled the drums while Lemoine’s foolish character attempted to force a teddy dog to jump through a hoop, reminding us that the Flic Flac Circus did not exploit animals for its profit purposes. He kicked the teddy’s butt to score it through the hoop. I would have gladly done the same with his.

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Some might ask: why do I bother? I usually flee from massive popular entertainment. Take that “oriental dinner show,” MADI – Zelt der Sinne. I have seen their advertisements a thousand times in the Berlin U-Bahn and can already foresee how my own academic postcolonial background will ruin my dish if I ever eat there. What is then the point of writing about Lemoine’s performance in Flic Flac?

Well, the show Höchststrafe is an overwhelming success. Until its departure from Berlin on 29th February, it will probably have been seen by over 100,000 visitors, some of them coming from Brandenburg as well. The rest of the performances were breathtaking, I recognize that. At the same time, I consider Lemoine’s act as harmful. First, it could be insulting for some of its audience. Secondly, it fuels false stereotypes about people from India and Pakistan. Many children have seen Höchststrafe. What do they learn from such clowning? A Eurocentric cliché. Thirdly, if Lemoine had impersonated another dim-witted character, say supposedly from the African continent or from East Asia, the Flic Flac board would have perhaps denied him the stage. The presence of this show on a best-selling stage implies one can publicly mock people from the Indian subcontinent with impunity.

Lemoine was once awarded the “ZDF International Artist Prize.” These credentials will surely help him integrate other shows whenever his contract with Flic Flac comes to an end. I hope he will stick to juggling in the future. On a more positive note, we can surely rejoice in the apparent lack of wit that arose from his act. But because of its participation in shaping public consciousness on a large scale, it is important to condemn it. Patrick Lemoine’s starters were not bad. Then, he fell flat, and remained a (ob)noxious chump for the rest of his performance.

Credits // Yann Le Gall
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„I wish for an Achmed Street in Potsdam“

An Interview with SchwarzRund

Who are you?schwarzrund

I am SchwarzRund. By now, it has become my official pen name. First it was the name of my blog, but now I publish everything, artistic or academic, under that name.

I am a Black Dominican in Germany with both passports and I work in various fields. Storytelling and poetry/performance texts are the heart of my work. But painting, writing and online ranting are very important to me as well – for my activism and for me personally.

What do you do in your everyday life?

Actually, I deal with power dynamics 24/7. In the past, my focus was on deficiencies (which I still find important and great), but by now I try to look at the beauty and uniqueness which develops as a consequence of the pain of oppression. To find, search for and create resistance in art is what interests me at university, in my journalistic work, in my blog and in my novel. Christiane Hutson’s term multidimensional vulnerability influenced this change a lot. I want to explain and teach less, instead I want toobserve and celebrate more.

You wrote an Afropolitan Berlin novel titled Biskaya. What is it about?

It is the story of the 35-year-old musician Tue, she is a Black German and lives in Berlin. She lives in a queer flat share, in which a suicide happens. It leads her into a crisis and she ends up in a psychiatry. This experience, as well as new insights into her own diaspora and family history change her goals. Tue begins to search for new terms for her art. She experiences and survives the difficulties a Black person has to face in a predominantly white country. The novel is about revolution, resistance, the music business, queer communities, and passionate love for sweet potatoes.

Why do you call the novel Afropolitan?

It could just as well be called queer, neuro-diverse, crazy, diasporic or Black. These are all main themes of the novel. In the end, I decided to call it Afropolitan, because my own Afropolitan perspective includes all of this. Thus, it is my Afropolitanism. *laughs*

The novel is mainly set in Berlin, it refers to a fictive Black European island called Biskaya and its capital city Amo (a reference to Anton Wilhelm Amo). Potsdam also plays an important role…

What is the role of Potsdam in your novel?

One crucial scene of the novel is set in Potsdam. I don’t want to spoil too much here…

One question that accompanies Tue is where her Blackness comes from. At one point, she learns that she is related to Achmed. Achmed is a real person, he was the first Black German whose name and portrayals we know. He was displaced – just as many other People of Color serving at court – by order of Prince Carl Alexander of Prussia. Whether Achmed is the name his parents gave him is unknown, but it is known that he lived in Schloss Glienicke, the castle by the lake Griebnitzsee in Potsdam. Among the golden lions and other relics that the Prince brought home from his travels to other cultures, Achmed was just another exoticized ‘souvenir’. Until today, the most human picture of him can be found in the castle. Until today it costs quite a lot of money to see this representation of Achmed. This is a continuity that affects me – in a negative way. Therefore, two of the protagonists in my book decide to help Achmed – they have the courage that I lack. *laughs*

Potsdam and the culture of forcefully displacing Black people is a symbol for the rootlessness caused by white people until today. There are many Black children in Germany who don’t know from where they have been adopted. This happens either because adoption agencies don’t pass on any or only rough information about their backgrounds or because the parents (natural or adoptive) don’t want to pass on that information. On a higher level, this phenomenon could stand for the Gate Islands on which it wasn’t clear where the slaves came from, islands like the Dominican Republic or Porto Verde. It is a diaspora that has to build its own identity from remaining fragments, colonial images produced by the white environment and little hints from the past because the white society ties them to the ‘other’ by excluding them.

Potsdam is also a very suitable place because I experienced the worst racism of my adult life there. I do not only disapprove of Potsdam’s glorification of the Prussian times from an urban planning perspective, artistic or leftist beliefs, but first and foremost from a Black perspective.

What do you wish for the future of our society?

I wish for an Achmed Street in Potsdam, instead of the rebuilding of yet another, horrifying monument of past white rule. Instead of a May Ayim Shore, I would wish for a whole May Ayim Avenue and the reflection of Black history in school and university books. I wish for policies that acknowledge colonial liabilities and appropriate reparations. I wish for curricula at universities which hold lecturers accountable to keep pace with the times and to question every scientific presupposition.

Only with recognition for the normal(izing) racism of the now, will reparations become possible, as well as a rectification of the so-called development aid structures which still provide less for the countries in question than they take out of them.

A decolonial aspiration ultimately entails an anti-capitalist, anti-sexist, queer and ableism-critical perspective because all of those structures support each other to maintain power and domination.

Credits // Interviewee: SchwarzRund; Interviewer: Anna von Rath. Photo: Ina Müller aus der Reihe PLUS
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„Ich wünsche mir eine Achmed-Straße in Potsdam“

Ein Interview mit SchwarzRund

Wer bist du?

schwarzrund

Ich bin SchwarzRund, mittlerweile ist das ganz offiziell mein Künstlerinnen*name. Es begann als Blog Name, mittlerweile veröffentliche ich alles Künstlerische und Wissenschaftliche darunter.

Ich bin eine Schwarze Dominikaner*in in Deutschland mit beiden Pässen, welche in verschiedenen Bereichen arbeitet. Storytelling und Poem/Performancetexte sind das Herz meiner Arbeit, aber auch Malen, Geschichten schreiben und Online-Ranting sind mir total wichtig, in meinem Aktivismus, aber auch mir selbst zu liebe.


Womit beschäftigst du dich im Alltag?

Eigentlich 24/7 mit Machtdynamiken, früher mit einem sehr defizitären Blick (den ich noch immer wichtig & super finde), mittlerweile viel mit der Schönheit und Einzigartigkeit, die aus dem Schmerz der Unterdrückten entsteht. Die Widerständigkeit in der Kunst zu finden, zu suchen und selbst zu verankern ist, was mich in der Uni, in journalistischen Aufträgen und meinem Blog und Roman beschäftigt. Der Begriff von Christiane Hutson ‚mehrdimensionale Verletzbarkeit‘ hat diesen Wandel sehr bestimmt. Ich möchte weniger erklären und beibringen und mehr zelebrieren und betrachten.

Du hast einen afropolitanen Berlin Roman mit dem Titel Biskaya geschrieben. Worum geht’s?

Es geht um die fünfdreißig-jährige Musikerin Tue, sie ist Schwarze Deutsche und lebt in Berlin. Sie lebt in einer queeren WG, in der es zu einem Selbstmord kommt, danach stürzt sie in eine Krise, landet in der Psychatrie. Dies und neue Erkenntnisse über ihre eigene Diaspora und Familiengeschichte verändern ihre Ziele, sie sucht nach einer neuen Sprache für ihre Kunst, lebt und überlebt die Schwierigkeiten als Schwarze Person in einem weißen Land zu überleben. Es geht um Revolutionen, Widerstand, Musikbusiness, queere Szenen und die passionierte Liebe zu Süßkartoffeln.

Warum nennst du den Roman afropolitan?

Er könnte genauso gut queer, neurodivers, verrückt, Diaspora oder Schwarz als benanntes Hauptthema haben, alles ist immer zur gleichen Zeit gleich wichtig. Für afropolitan habe ich mich am Ende entschieden, weil mein afropolitaner Blick eben all dies ist, es ist also mein afropolitan. *lacht*
Der Roman spielt halt in der Hauptsache in Berlin, er bezieht sich auf die fiktive Schwarze europäische Insel Biskaya und dort liegt auch die Hauptstadt Amo (nach Anton Wilhelm Amo benannt). Auch Potsdam spielt eine wichtige Rolle …

Welche Rolle spielt Potsdam in dem Roman?

Eine der Schlüsselszenen des Romanabschlusses findet dort statt. Ich möchte nicht zu viel spoilern … eines der Themen von Tue ist die Frage, woher ihr Schwarzsein kommt, innerhalb des Romans erfährt sie, dass sie mit Achmed verwandt ist. Achmed gab es wirklich, er ist der erste Schwarze Mensch in Deutschland, von dem wir Namen und Darstellung kennen. Er wurde wie viele Hof-M verschleppt, in seinem Fall vom Prinzen Carl Alexander von Preußen, in jungen Jahren. Ob der Name, den seine Eltern ihm gaben, wirklich Achmed war, ist nicht bekannt, bekannt ist aber, dass er vor allem auch im Schloss am Griebnitzsee, im Schloss Glienicke, gelebt hat. Dort war er neben goldenen Löwen und mitgebrachten Reliquien anderer Kulturen, die der Prinz bereiste, nur ein weiteres exotisiertes Mitbringsel. Bis heute ist das menschlichste Bild, das ihn darstellt, nur dort sichtbar. Es kostet bis heute recht viel Eintritt Achmed zu sehen. Eine Kontinuität die mich berührt – auf die ungute Art. Deswegen beschließen zwei Protagonisten des Romans Achmed zur Hilfe zu eilen – sie haben den Mut der mir fehlt. *lacht*

Potsdam und die Kultur des Verschleppens Schwarzer Menschen steht aber auch eben für die Entwurzelung, die weiße Menschen bis heute auslösen, es gibt viele Schwarze Kinder in Deutschland, die nicht wissen, woher sie adoptiert wurden, entweder weil Agenturen dies gar nicht oder nur grob weiter geben oder weil die Eltern (leiblich oder adoptiv) dies nicht weitergeben wollen. Das ganze steht auch im übergeordneten Sinne für die Gate Islands, bei denen nicht klar ist, woher die Versklavten kamen, wie die Dominikanische Republik oder Porto Verde. Also für eine Diaspora, die sich aus den übriggebliebenen Fetzen von Verortung, den kolonialen Bildern der weißen Umgebung und den wenigen Hinweisen der Vergangenheit eine Identität basteln müssen, weil die weißen Gesellschaften sie ständig an dieses „andere“ knüpfen durch Ausgrenzungsprozesse.

Potsdam ist als Ort auch sehr geeignet, weil ich hier mit die schlimmsten Rassismuserfahrungen meines erwachsenen Lebens gemacht habe. Potsdams Glorifizierung der Preußenzeit stößt mir nicht nur aus stadtplanerischer, künstlerischer und linker Überzeugung auf, sondern vor allem aus Schwarzer Perspektive.

Was wünscht du dir für unsere Gesellschaft?

Ich wünschte mir eine Achmed-Straße in Potsdam, statt des Wiederaufbaus des nächsten gruseligen Monuments vergangener weißer Herrschaft. Statt eines May-Ayim-Ufers, eine ganze Allee und die Reflektion Schwarzer Geschichte in den Schul- und Unibüchern. Ich wünsche mir eine Politik, die koloniale Schuld anerkennt und dementsprechend Reparationen leistet und Flüchtende Menschen nicht nur aufnimmt, sondern fest im Grundgesetz verankert als Bestandteil der BRD. Ich wünsche mir Curricula an den Universitäten, die die Dozierenden in die Verantwortung ziehen am Puls der Zeit zu bleiben und Forschungsvorannahmen hinterfragt als Teil jedes Studienganges.

Erst wenn es zu einem Anerkennen des rassistischen normal(isierten) Zustandes kommt, kann es auch zu Reparationen kommen, zu einer Entzerrung der sogenannten Entwicklungshilfestrukturen, die weniger geben als sie bis heute aus den Ländern saugen.

Letztendlich ist ein dekolonialer Anspruch für mich immer auch ein antikapitalistischer, antisexistischer, queerer und ableismus-kritischer Blick, weil all dies einander begünstigt um Machtstrukturen zu erhalten.

Credits // Interviewee: SchwarzRund; Interviewer: Anna von Rath. Photo: Ina Müller aus der Reihe PLUS
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Soot Petes or the last straw of the white man

Last weekend, the second weekend of December 2016, Potsdam celebrated once again the arrival of the Dutch Sinterklaas and his companions, the Black Petes. The city likes to distinguish itself because of its internationality and supposed worldliness. Potsdam has a Dutch quarter, a couple of streets which look exactly like a little Dutch town with red brick buildings. There is also a Russian quarter with Russian style log cabins and Park Sanssouci features a Chinese looking – according to European imagination – Tea House. The various castles of the Potsdam region host many mostly stolen items from the Global South which were brought to Potsdam by attention seeking white explorers during colonial times and they have been kept since.

While it is a nice idea to honor the different international influences and Potsdam’s continuing links with other nations and cultures, there is still room for improvement. One has to realize that these links are not always a reason to celebrate, instead there are unaddressed parts of those connections which also – even if silently – speak of oppression and exploitation. These parts tend to reappear in present times in a different but still recognizable attire.

As we already mentioned earlier (here and here), the tradition of the arrival of the white Sinterklaas and his blackfaced Black Petes, who are not only his servants but also clown-like figures for the diversion of a (in Potsdam) mainly white audience, emulates colonial racism. During this festivity white Europeans use what they think to be characteristics of Blackness for their own entertainment.

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Last year, the City of Potsdam realized that they could not continue to financially support the organization Förderverein zur Pflege niederländischer Kultur in Potsdam, which coordinates the Sinterklaas festivities, if the yearly event continued to include racist elements. To convince the local politicians and sponsors, it took several long meetings with representatives from organizations such as Afrika Rat, ISD, PAWLO, Opfer Perspektive and ourselves, a panel discussions and an open letter by several professors of the University of Potsdam.

As a consequence, there was no Sinterklaas and no Black Petes in Potsdam last year, the festivities were only celebrated with a Christmas market. This year, however, the Förderverein zur Pflege niederländischer Kultur in Potsdam announced they would be able to host the Sinterklaasfest again since they found Dutch partners who agreed to stage Sinterklaas and the Pete’s arrival without blackface. Thus, the City would finance them again. Copying what some Dutch cities have already adopted to avoid the use of blackface, the dressed up musicians and servants were “Soot Petes”, with only some black paint in their faces which they could sell as dirt from the chimney. Like the German Knecht Ruprecht, the Black Petes are said to enter houses through chimneys to deliver presents to children. However, at least one of the Petes still wore an Afro-wig and was therefore still explicitly alluding to the alleged Africaness of the character. Furthermore, many Petes were wearing black gloves and knee-highs.

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The Soot Petes were interpreted by the local newspaper Potsdamer Neuste Nachrichten (PNN) as “‘half Black’ (Halbschwarze)”. This invites further interpretation that by using this representation of the Petes the organizers show their clinging to the last straw they could find, their way to adjust the festivities as little as possible. If it is not financed to paint the Petes completely Black, well, then they can still paint them half Black and continue to refuse to take the criticism of this particular part of the tradition seriously. But there is no ‘only a little bit racist‘ or ‘less racist’. A racist act, whether intended or not, will always be racist.

Apart from a smaller number of Afro-wigs and less black color in the faces, the Petes looked exactly as they always did. Here, it is worth mentioning that the attire of the Black Petes is very similar to what enslaved African children had to wear when working as personal servants in white homes or at court. These servants are often included in paintings from the 17th and 18th century.

Another essential part of the Sinterklaas festivities is a market for Dutch crafts and food. The market stalls still featured many figurines looking like completely blackfaced Black Petes. Displaying clownish smiling figures on hats, garlands or as chocolates still fuels the old stereotypes. Those garlands and decorations were probably put up by the vendors individually. It is however the responsibility of the organizers to guarantee that such disturbing imagery disappears from the public space once and for all.

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Surprisingly, the Förderverein zur Pflege niederländischer Kultur in Potsdam has decided to warn and dissuade political groups like ours to attend the festivities rather than ensure it to be enjoyable for all potential guests. The local media Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) and Potsdamer Neuste Nachrichten (PNN) circulated contradictory information on the appearance of the Black Petes prior to the festivity itself. This led us to turn to the organizers themselves. We asked for clarification, which they did not give, while recommending us not attend attend Sinterklaas’ arrival ceremony.

We are happy about the fact that the protests against blackfacing have been at least partially successful. Even though, the representation of the Petes should change much more in our opinion, it has been a big step that overt blackfacing is no longer financed. However, the Soot Petes are not an entirely acceptable alternative and a more diverse and less one-sided media coverage about this issue would be desirable. So far, the Förderverein zur Pflege niederländischer Kultur in Potsdam and people in favor of blackfacing receive favorable coverage by the local media, whereas groups that position themselves against it are mostly ignored. Thus, in Potsdam the recurring excuses for blackfacing, which range from a nostalgic attachment to unquestioned traditions to attacks on political correctness, dominate the public media. Furthermore, even though the Petes are no longer in complete blackface at the festival, every picture featured in articles about the Sinterklaasfest show the outdated representations of the Black Petes in blackface. We would like to see newer versions of the Petes without the constant reproduction of stereotypes and to read all about the timely debate about changing aspects of traditions with all the perspectives there are.

Credits // Authors: Lina Fricke, Yann Le Gall, Anna von Rath; Photography: Lina Fricke

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„Ruß-Pieten“ oder der letzte Strohhalm des weißen Mannes

Am zweiten Dezemberwochenende diesen Jahres (2016) wurde in Potsdam wieder die Ankunft des holländischen Sinterklaas und seiner Begleiter, den Schwarzen Pieten, gefeiert. Die Stadt gefällt sich darin, ihre Internationalität und angebliche Weltoffenheit hervorzuheben. Potsdam hat nicht nur das Holländische Viertel, ein paar Straßen, die einer niederländischen Stadt mit roten Backsteingebäuden nachempfunden sind. Es gibt auch ein russisches Viertel, mit Holzhäusern in russischem Stil und im Park Sanssouci befindet sich ein – nach europäischer Vorstellung – chinesisch aussehendes Teehaus. Darüber hinaus beherbergen die zahlreichen Schlösser in der Region Potsdam viele vornehmlich gestohlene Gegenstände aus dem Globalen Süden, die von aufmerksamkeitssuchenden weißen „Entdeckern“ während der Kolonialzeit nach Potsdam gebracht wurden und sich seitdem hier befinden.

Es ist natürlich eine schöne Idee, die verschiedenen internationalen Einflüsse und Potsdams weiterhin bestehende Verbindungen mit anderen Nationen und Kulturen zu ehren, allerdings gibt es noch viel Raum für Verbesserungen. Man sollte sich darüber bewusst werden, dass diese Verbindungen nicht immer ein Grund zum Feiern sind, oft gibt es Abschnitte der Geschichte dieser Verbindungen, die nicht angesprochen werden und die – wenn auch schweigend – von Unterdrückung und Ausbeutung erzählen. Diese Bestandteile der Geschichte treten sogar in unserer Gegenwart noch häufig auf, wenn auch in einer anderen, aber doch wiedererkennbaren Aufmachung.

Wie wir bereits berichteten (hier und hier), beinhaltet die Tradition der Ankunft des weißen Sinterklaas und der Schwarzen Pieten in Blackface, die nicht nur seine Diener sind, sondern auch Clown-ähnliche Figuren darstellen zur Unterhaltung des (in Potsdam) größtenteils weißen Publikums, kolonialrassistische Repräsentationen. Während dieses Fests, benutzen weiße Europäer_innen ihre Wahrnehmung von ihrer Meinung nach typischen Charakteristiken Schwarzer Menschen zu ihrem Amüsement.

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Im letzten Jahr hat die Stadt Potsdam eingesehen, dass es nicht mehr länger vertretbar ist, den Förderverein zur Pflege niederländischer Kultur in Potsdam, der das Sinterklaasfest organisiert, finanziell zu unterstützen, wenn bei dieser jährlich stattfindenden Veranstaltung weiterhin rassistische Elemente als Teil des Festes bestehen bleiben. Es brauchte mehrere lange Treffen und kontinuierliches Engagement von u.a. Vertreter_innen des Afrika Rats, der Initiative für Schwarze Menschen in Deutschland, der Opferperspektive Potsdam und unserer Gruppe sowie  eine Podiumsdiskussion und einen offenen Brief mehrerer Professor_innen der Universität Potsdam, um die lokalen Politiker_innen und Sponsor_innen zu überzeugen.

Das Ergebnis war ein Sinterklaasfest ohne Sinterklaas und Zwarte Pieten im Jahr 2015, das Fest wurde als niederländisches Adventsfest gefeiert. In diesem Jahr kündigte der Förderverein zur Pflege niederländische Kultur in Potsdam jedoch an, dass sie das Sinterklaasfest wieder in gewohnter Form veranstalten könnten, da es ihnen gelungen war holländische Partner_innen zu finden, die damit einverstanden waren, die Ankunft des Sinterklaas und der Zwarten Pieten ohne Blackfacing darzustellen. So war dann auch die finanzielle Unterstützung der Stadt wieder gewährleistet. Die Gruppe aus den Niederlanden kopierte eine Darstellung der Pieten, die auch in niederländischen Städten bereits angewendet wird, um den Gebrauch von Blackface zu vermeiden. Aus diesem Grund waren die Musiker_innen und Begleiter_innen des Sinterklaas in diesem Jahr „Ruß-Pieten“ mit nur etwas schwarzer Farbe im Gesicht, die als Rußspuren vom Klettern durch den Schornstein erklärt werden. Ähnlich wie beim deutschen Knecht Ruprecht, heißt es, dass die Schwarzen Pieten durch die Schornsteine in die Häuser klettern, um die Geschenke für die Kinder zu bringen. Allerdings trug in Potsdam mindestens ein Piet auch noch immer eine Afro-Perücke und widerlegte so den Bezug zum Schornstein und stellte stattdessen eine explizite Verbindung zur afrikanischen Herkunft des Charakters her. Außerdem trugen viele der Darsteller_innen schwarze Handschuhe und Kniestrümpfe.

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Von der Lokalzeitung Potsdamer Neueste Nachrichten (PNN) wurden die Ruß-Pieten als „Halbschwarze“ beschrieben. Diese Beschreibung legt die Interpretation nahe, dass die Organisator_innen sich mit dieser Repräsentation am letzten möglichen Strohhalm, den sie finden konnten, festhielten, um die Tradition des Festes in so geringem Maße wie möglich zu ändern. Wenn es nicht mehr länger unterstützt wird, die Pieten komplett schwarz anzumalen, nun, dann kann man sie ja noch „halbschwarz“ darstellen und sich weiterhin weigern, die Kritik an diesem speziellen Teil der Sinterklaas Tradition ernst zu nehmen. Aber es gibt eben kein „ein bisschen rassistisch“ oder „weniger rassistisch“. Eine rassistische Handlung, ob sie nun als solche beabsichtigt ist oder nicht, bleibt rassistisch.

Abgesehen davon, dass es weniger Afro-Perücken und weniger schwarze Farbe in den Gesichtern der Pieten gab, sahen die Pieten genauso aus wie in den Jahren zuvor. Hier sollte man auch anmerken, dass die Kleidung der Pieten den Uniformen versklavter Afrikanischer Kinder, die als Diener in weißen Haushalten und bei Hofe arbeiten mussten, zum Verwechseln ähnlich sieht. Darstellungen dieser Diener findet man oft in Gemälden aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Ein weiterer wichtiger Teil des Sinterklaasfestes ist ein Markt, auf dem niederländische Produkte angeboten werden. An diesen Ständen waren noch viele Bilder der Zwarten Pieten in vollständigem Blackface zu finden. Auf Girlanden, Wimpeln und als Schokolade waren die stereotypischen Repräsentationen der Zwarten Pieten nach wie vor sichtbar. Wahrscheinlich sind diese Dekorationen von den Betreiber_innen der einzelnen Stände aufgehängt worden, allerdings liegt es eindeutig in der Verantwortung der Veranstalter_innen sicher zu gehen, dass diese verletzenden Bilder komplett aus der Öffentlichkeit verschwinden.

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Überraschenderweise entschied sich der Förderverein zur Pflege niederländische Kultur in Potsdam dafür, uns als Gruppe davor zu warnen und uns auszureden am Sinterklaasfest teilzunehmen anstatt sich dafür einzusetzen, dass sich alle Gäste willkommen fühlen und die Teilnahme an dem Fest genießen können. Auf Grund unterschiedlicher Informationen zum Aussehen der Pieten in den Potsdamer Zeitungen PNN und MAZ, kontaktierten wir die Veranstalter_innen selbst, um herauszufinden, wie die Pieten in diesem Jahr aussehen würden. Als Antwort erhielten wir folgenden Ratschlag: „Soweit es das Anliegen Ihrer Gruppe ist, nicht mit „Verletzungen“ konfrontiert zu werden, gibt es nur die Möglichkeiten, sich tolerant auf die Veränderungen einzulassen oder im Zweifel von einem Besuch unseres Festes abzusehen.“

Wir freuen uns, dass die Proteste gegen das Blackfacing wenigstens zum Teil erfolgreich waren. Auch wenn sich die Darstellung der Pieten unserer Meinung nach noch stärker ändern müsste, ist es schon ein Schritt in die richtige Richtung, dass Blackfacing nicht mehr von städtischen Geldern finanziert werden soll. Allerdings würden wir eine diversere und weniger einseitige Berichterstattung in den lokalen Medien begrüßen. Bislang erhält der Förderverein zur Pflege niederländischer Kultur in Potsdam sowie Personen, die für die Weiterführung der Tradition des Blackfacing sind, eher positive Berichterstattung, während Gruppen wie unsere, die sich dagegen aussprechen größtenteils ignoriert werden. Aus diesem Grund dominieren Meinungen, die die Zwarten Pieten aus nostalgischen Gründen nicht verändern wollen oder die Kritik an Blackfacing als unsinnige political correctness sehen, die öffentlichen Medien. Darüber hinaus werden Artikel zum Thema noch immer fast ausnahmslos mit Bildern Zwarter Pieten in Blackface veröffentlicht. Wir würden uns freuen aktuellere Darstellungen der Pieten ohne Blackface zu sehen und ausführlich über die zeitgemäße Debatte über die Veränderung von Aspekten von Traditionen mit all ihren diversen Perspektiven lesen zu können.

Credits // Autor_innen: Lina Fricke, Yann Le Gall, Anna von Rath; Übersetzung: Lina Fricke;  Fotografie: Lina Fricke
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